Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Herz und Gehirn in altbiblischer Auffassung
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 81 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Hermann Kornfeld. Ich schlafe, aber mein Herz wacht. (Hohes Lied.) f on altersher hat sich bezüglich der Bibel, d. h. der fünf Bücher Moses, eine Strömung geltend gemacht, in beinahejedem Satze etwas, so zu sagen Feindliches zu wittern, ihn zubestreiten, lächerlich zu machen; sieselbst für antiquiert, für nur lokal bedingt anzusehen, sie auf gleiche oder auch auf tiefere Stufe zu setzen, wie z. B. den Koran, die Zend-Avesta, die Veda's oder auch nichtreligiöse literarische Produkte. Demjenigen, für den das heilige Buch etwas so hohes ist, daß er es für unmöglich hält, ihm rein menschlichen Ursprung zuzuschreiben, kann ein ehrlicher Streit um seine Wahrheiten nur erwünscht sein; daß diese schließlich als solche allgemein erkannt sein werden, ist ihm nicht zweifelhaft. Aber streiten müssen denn auch nur solche, die die Bibel kennen, die Übersetzungen nicht mit dem Text als immer gleichwertig ansehen, sondern wissen, daß erstere oft genug irren, daß die Bedeutung so vieler Wörter noch heute unerklärt geblieben ist. Wie viele meinen, „Hosiannah" bedeute so was wie „Preisen", während es doch „hilf uns, errette uns" bedeutet. Die Mutter nennt ihr Kind einen ö