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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 79

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Das Buch Ruth
Date
1909-01-01
Page
79 (sequence 16)
Language
German
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79 Meinungen, welche von den verschiedenen Bibelforschern darüber aufgestellt worden sind, ungefähr um 600 Jahre auseinandergehen. Der eine geht in die Davidische Zeit zurück, und der Andere bis auf Esra, sodaß im Ganzen etwa 600 Jahre dazwischenliegen. Andere nehmen wieder an, daß die Geschichte in der Zeit der Richter geschrieben sei u. s. w. Trotzdem Jahr aus Jahr ein der Meßkatalog fast immer über alle biblischen Schriften, also auch über das Buch Ruth, eine Neuheit bringt, bleibt doch immer noch eine Frage übrig, die noch nicht besprochen ist. Wenn ich dieses auch nicht mit großer Sicherheit behaupten kann, weil ich von der großen Bibliothek, welche die Ruth- Literatur enthält, nicht alles gesehen habe, so habe ich mir in der letzten Zeit doch einige 30 Kommentare angesehen. Keiner dieser Kommentare spricht aber ein Wort oon einer in der Tat höchst auffälligen Erscheinung. Überall nämlich, wo in der Bibel, bezw. den biblischen Geschichten Frauen eine Rolle spielen, vollends sogar eine hervorragende Rolle, von der ältesten Zeit bis auf das Buch Esther herab, wird ünmer erzählt, daß die Frauen sehr schön gewesen seien, schön von Gestalt und schön von Anblick; immer und immer, wo eine Frau irgendwie hervorragend erwähnt wird, wird auch ihre Schönheit gerühmt. Ist es dem gegenüber nicht auffällig: In dem Buche Ruth kommt kein Wort vor, daß sie schön gewesen sei. Daß sie es war, bezweifle ich nicht. Nicht in den Zeilen, aber zwischen denselben können wir es sehr gut lesen. Nämlich, wie Boas aus das Feld kommt, wird erzählt, sieht er seine Schnitter und Schnitterinnen — beiläufig gesagt, werden sie immer nur Knaben und Mägde genannt und nicht etwa Sklaven — und fragt den obersten der Schnitter, der die Aufsicht führt, wem gehört dieses Mädchen oder diese junge Frau, was im Hebräischen ungefähr dasselbe bedeutet. Ja, warum fragt er denn? Ahrenleserinnen hat es immer gegeben, namentlich aber aus den Feldern eines so guten Mannes, als welcher Boas bekannt war. Man sieht, man kann immer noch Einzelnes finden,

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