Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Das Buch Ruth
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 80 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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80 was gleichwohl nicht erklärt ist. Das Wichtige für uns aber ist dieses: wie klein die Geschichte auch ist, so ist sie doch reich, nicht blos an ethischen Momenten. Da wird die Ruth von Boas geheiratet; das versammelte Volk, welches bei dem Ehevertrage zugegen ist, will ihm Glück wünschen, und was sagen sie? „Möge dein Weib ■ sein wie Rahel und Lea, die beide das Haus Israel gebaut haben." . Sofort wird aus der Gegenwart zurückgeschaut auf Jahrtausende, um die Einheit des Volkes im Gemüt festzuhalten. Sodann wird ein Knabe geboren: „Es möge dein Haus werden wie das Haus Perez, den Thamar Juda gebar." Überall also, wo uns das gegenwärtige Kleinste und Neueste und Augenblickliche erzählt wird, wird das Vergangene an das Große und Allgemeine angeknüpft. Aus allem diesem sehen wir, was das Auszeichnende in der jüdischen Volksseele gewesen ist, das sich bis auf den heutigen Tag geltend macht, sich im Leben erhalten und ihr die spezifische Kraft gegeben hat: das ist diehistorische Kontinuität, das stolze und beglückende Bewußtsein des Zusammenhanges der jetzigen mit den früheren Überlieferungen. Diese Kontinuität auch in der neueren Zeit aufrecht zu erhalten, dazu sind aber Ihre Vereine, d. h. die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur begründet worden, damit wir überall das, was wir sind, dankbar und zur Erhöhung und Läuterung des Ganzen erkennen, als Erfolg der großen Ueberlieferung, aus welcher wir selbst hervorgegangen sind.