Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Das Buch Ruth
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 68 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
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— ..68 — Deutschen u. s. w. Davon verschieden ist aber diejenige epische Poesie, welche den Charakter von Privatpersonen oder einzelnen Menschen und die Lebensschicksale etwa einer Familie zum Gegenstände hat, so die Odyssee von Homer, wo es sich blos um Odysseus, Penelope und Telemach, sowie um eine bloße Erinnerung an Odysseus' Vater handelt. In derselben Weise ist es in der Gudrun, die ebenfalls darangelehnt ist und die als Hintergrund die großen Ereignisse hat, wie sie in der Epopöe vorgetragen werden. Und nun sagt er: Jede solche Erzählung eines Schicksals empfängt den höchsten Reiz und die tiefste Bedeutung für diejenigen, welche sie auffangen, erst dadurch, daß die individuellen Schicksale eines Einzelnen die Entwickelung eines einzelnen Charakters, die Verflechtung der Lebensereignisse einer einzelnen Familie angeknüpft werden an einzelne Ereignisse, so die Szene in Hermann und Dorothea, wo der Hintergrund der kriegerischen Ereignisse dazu gehörte, um den Charakter der Dorothea zu entwickeln und die Schicksale im Vordergründe sich abspielen zu lassen. In derselben Weise liegt es mit der Odyssee, wo der Krieg der Griechen gegen Troja als Hintergrund dient, und im Vordergründe steht das Lebensschicksal des einzelnen Hellenen mit seiner Familie. In Buch Ruth findet sich das Eigentümliche, daß nicht blos eine, sondern daß zu gleicher Zeit zwei solcher Anknüpfungen stattfinden. Die Geschichte fängt an mit einem allgemeinen historischen Hintergründe, und sie schließt auch mit einem allgemeinen historischen Hintergründe; die ganze Mitte bewegt sich aber dergestalt von Punkt zu Punkt, daß überall die einzelnen Momente in der Geschichte von diesen Anknüpfungen abhängig sind. Die ersten Worte des Buches Ruth lauten: „In den Tagen, da die Richter richteten, war eine Hungersnot im Lande." Eine Hungersnot, ein allgemeines Schicksal des Volkes und des Landes, das war der Hintergrund, auf welchem die Personen spielten, mit denen wir hier zu tun haben. Die ganze Geschichte schließt damit, daß von diesen Personen, die in Folge der Hungersnot von.