Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Das Buch Ruth
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 67 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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67 ganzen Geschichte. Herder hatte darauf aufmerksam gemacht, daß auch hier die Idylle zu ihrem Recht und zu ihrer Geltung gekommen ist. Goethe ging sofort einen Schritt weiter und behauptete, sie sei das lieblichste, was uns episch und idyllisch überliefert worden sei. Und in der Tat, wenn man die Geschichte der idyllischen Poesie durchgeht und wenn man prüft, was etwa an wahrhaft poetischen Elementen uns dargeboten wird, so findet man, daß die Idylle zu der schwächsten Gattung aller poetischen Produktionen aller Zeiten gehört hat, und sie deshalb auch nur in den Zeiten des Verfalls eines Reiches oder Volkes auftritt. Wir finden keine Idylle zu der Zeit der klassischen Poesie in Griechenland, sondern nur später zu Zeiten des Verfalls der griechischen Macht. Ebenso ist es bei den Römern, und ebenso ist es überall in der Geschichte. Unsere Pegnitz- und Schäferlieder, unsere Idyllen fallen in eine Zeit, wo die Poesie ziemlich stark darniederlag. Hier aber haben wir eine kurze, einfache, reine Idylle und gleichwohl von einer so bedeutenden Anziehungskraft. Woher kommt das, was ist es in dieser kleinen Geschichte, das die Menschen von jeher so ergriffen und sie angeleitet hat, sich so genau mit derselben zu beschäftigen? Zunächst das Eine: Der Grundcharakter des Epos wird in einer der hervorragenderen Schriften und in einer der glücklichsten Konzeptionen von Wilhelm von Humboldt dargestellt und verglichen mit „Hermann und Dorothea." Es ist auf dem Gebiete des Aesthetischen das beste, was er gemacht hat, und es gehört zu den besten Spezialabhandlungen ästhetischer Art, die je geschrieben sind. Der Grundgedanke, den Wilhelm von Humboldt zum Ausdruck bringt, in Bezug auf das Epos ist dieser: Zunächst unterscheidet er zwischen der eigentlichen hohen Epopöe, d. h. jener erzählenden Dichtung, welche es mit der Geschichte und dem Charakter eines Volkes, mit den größten Ereignissen eines bezw. der Berührung mehrerer Völker zu tun hat, wie die Ilias des Homer bei den Griechen, sowie das Nibelungenlied bei uns 5*