Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 60 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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60 treibungen hüten, die sehr nahe liegen. Wird doch in einer Besprechung des Buches von Israel Balschem, der ja gewiß eine große und rätselvolle Gestalt war, gesagt, „daß er mit dem Juden Jesus innig verwandt" sei. Talnmdische Legenden hat E. M. Lucas in englischer Nachdichtung herausgegeben. Eine gute Anthologie der Dichtungen über Juden und Judentum aus allen Zeiten hat Julius Moses geschickt zusammengestellt. Ich darf wohl auch bei dieser Gelegenheit die zweite Auflage des vor vielen Jahren von mir herausgegebenen „Divan der Jehuda Halevi" (eine Auswahl in deutschen Uebertragungen) anführen. Diese zweite Auflage ist wesentlich ergänzt. Es sind auch darin viele neue Uebersetzungen enthalten; unter diesen kommen die von Emil Cohn, der uns eine Übersetzung des ganzen Divan verheißen, ani meisten dem Original nahe. Sie zeichnen sich durch ein tiefes Nachempfinden aus. Lieder von Gram und Freude stimmen auch moderne Sänger an. E. M. Leavitt in englischer Sprache, Salomon Dembitzer im Jargon. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit erheischt in diesem Berichtsjahr das Drama. Es ist in der Tat sehr merkwürdig und zeigt, wie sich das eine Problem zugespitzt hat, das unwillkürlich zu einer dramatischen Behandlung und Erörterung anreizt. Man darf aber über der einen nicht die andere Seite des Problems übersehen, die nicht minder reizvoll ist, nämlich den Konflikt zwischen Judentum und Kultur, der in den Ländern des Ostens noch nicht abgeschlossen ist, und den Konflikt zwischen Judentum und dem Leben der Gesellschaft, der wieder in westeuropäischen Ländern noch nicht zu einem Abschluß gelaugt ist. Die Auslese ist nach allen drei Richtungen hin diesmal eine große. Selbstverständlich fehlen auch die obligaten Saul-Dramen nicht. Das eine ist von Jörg Joachim, ein Pseudonym, hinter dem sich ein in der literarischen Welt bereits gut bekannter Autor verbergen soll, das andere von W. Neubert-Drobisch. Die Geschichte der Tochter Jephtas hat Richard Huldschiner dramatisch bearbeitet. Ferner sind zu erwähnen, die historischen Dramen von