Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 58 (sequence 41)
- Language
- German
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58 manchmal auch vor sich selber tun, als wenn sie nicht dazu gehörten. Die sich in wohlfeiler und kriecherischer Weise bei ihren Feinden und Verächtern anzubiedern suchen und sich auf diese Art von dem ewigen Fluch loszukaufen glauben, der auf ihnen lastet, oder von dem, was sie eben als Fluch empfinden. Das sind beinahe immer solche Juden, die im Gefühl ihrer eigenen höchst Persönlichen Schäbigkeit herumgehen und dafür unbewußt oder bewußt ihre Rasse verantwortlich machen möchten. Natürlich hilfts ihnen nicht das geringste". Schnitzler steht über seinen Gestalten, er lächelt über ihre Torheiten und Verirrungen, Georg Herrmann aber steht mitten unter seinen Gestalten; er könnte selbst eine von ihnen abgeben. Und das ist der große Unterschied zwischen beiden Romanen. Das ist auch wenigstens meiner Meinung nach der Vorzug des ersten vor dem zweiten. Ein ganz anderes Milieu schildert uns Hermann BlumenthalinseinemRoman „Knabenalter". Bekanntlich hat es Blumenthal unternommen, die Entwickelung eines jüdischen Knaben aus dem polnischen Ghetto darzustellen. Während er in dem ersten Roman „Der Weg der Jugend" uns dessen Kinderjahre vorführt, zeigt er uns in dem zweiten seine Knabenzeit im Ghetto zu Lemberg. Auch in diesem zweiten Roman tritt die feine Beobachtungsgabe des Verfassers und sein großes charakteristisches Vermögen uns in hellem Lichte entgegen. Nicht dieselben Vorzüge kann man der Erzählung von Auguste Hauschner „Die Familie Lowositz" unbedingt nachrühmen. Zwar ist auch hier das Milieu sehr scharf und gut gezeichnet, aber die ganze Entwickelung läßt kühl und es bleibt ein ganz unerfreulicher Eindruck zurück. Liegt das nun an dem Milieu, an den Charakteren oder an der Darstellung? Das ist schwer ■ zu unterscheiden. Einzelne Vorgänge aus dem Ghettoleben sind von David Rothblum gut wiedererzählt worden. Auch Nathan Samuely stellt sich wieder mit einer hübschen Erzählung „Zwischen Himmel und Erde" ein. In das humoristische Gebiet schlagen „Moritzchens Tage-