Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 38 (sequence 21)
- Language
- German
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88 semitisch, unorientalisch und noch mehr unantik." „Er redet wie die Rabbinen — und doch wie anders als sie! Der Rabbinismus ist im ganzen eine rückständig gebliebene Größe — dem Evangelium gehört die Zukunft". Und das ist moderne Wissenschaft! Dabei darf es freilich nicht verschwiegen werden, daß andere nichtjüdische Gelehrte doch auf einem freieren Standpunkt angelangt und dem Rabbinismus ein besseres Verständnis und mehr Gerechtigkeit entgegenbringen. Hier ist in erster Reihe Hermann L. Strack zu nennen, dessen Einleitung in den Talmud in vierter neubearbeiteter Auflage erschienen ist. Diese Auflage ist ein neues Buch geworden. Jedem, der sich über den Talmud, über seine Entstehung, Einteilung, über die Geschichte des Textes, über die Chronik der Schriftgelehrten und über die einschlägige Literatur unterrichten will, wird dieses ausgezeichnete Buch ein ebenso willkommener wie zuverlässiger, ja unentbehrlicher Führer sein. Für uns hat in der Einleitung besonders der folgende Satz hohes Interesse: „Der Talmud (ich wiederhole, was ich seit vielen Jahren mehrfach feierlich erklärt habe) enthält keinen Bericht oder Aeußerung, welche, selbstverständlich wenn sie wirklich, darin stehen, der sprach- und sachkundige christlich Gelehrte zu finden nicht vermöchte. Was speziell die Censurlücken anbetrifft, so sind in Deutschland' schwerlich zehn Rabbiner, welche alle vier S. 81 genannte in meiner Bibliothek befindliche Schriften besitzen. Ueberhaupt gibt ' es innerhalb des gesamten Judentums weder eine Schrift noch eine mündliche Tradition, welche kundigen Christen unzugänglich wäre. Die Juden sind nicht bemüht vor den Christen etwas zu verbergen und sie können auch nicht etwas vor ihnen verbergen. Der Talmud, der Schulchan Aruch und andere jüdische Schriftwerke sind Geheimwerke für diejenigen — Juden nicht anders als Christen — welche weder die zum Lesen der Grundtexte erforderlichen Kenntnisse sich erworben haben, noch von den vorhandenen Uebersetzungen usw. wissen. Für solche ist auch Cäsars Bellum Gallicum ein Geheimbuch".