Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1909-01-01
Page
37 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111090-3112690--3147-3112755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 37 — Übersetzung, zweitens, Thora bedeute im Gegensatz zu den Propheten (Nebiim) Gesetz, drittens, die gelehrten Juden haben Thora nicht durch Lehre übersetzt, sondern durch . . . Thora. Wer nun jetzt noch nicht überzeugt ist, daß „Thora" „Gesetz" bedeute und die Juden das Volk des Gesetzes seien, dem ist wahrhaftig nicht zu Helsen. <4* Die Arbeit Koenigs führt uns in das Reich des Talmuds und des Midrasch. Da sind zunächst die neuen Mischna - Ausgaben zu nennen; die Berliner von M. Petuchowski und E. Baneth ist bis zur Lieferung 38 gediehen. Die bisher erschienenen Lieferungen haben allgemeine Anerkennung seitens der Fachkritik gefunden. Die Uebersetzung in lateinischen Lettern neben dem mit großer Sorgfalt vokalisierten Text hilft einem längst gefühlten Bedürfnis ab und wird auch dem Nichtjuden das Studium des Werkes erleichtern. Die fortlaufenden Erklärungen verleihen der Arbeit besonders wissenschaftlichen Wert. Eine neue Ausgabe der Mischna mit einem hebräischen Kommentar von A. Segal ist in Wilna erschienen. Von den ausgewählten Mischnatraktaten in deutscher Uebersetzung, die Paul Fiebig herausgibt, ist der Traktat Sabbat mit einer Uebersetzung und Einleitung von Georg Beer herausgekommen. Die Einleitung ist eine wertvolle Ergänzung zu dem, was ich eben über das Verhalten der modernen Theologie zur „Gesetzesreligion" gesagt habe. Beer übertreibt die Sache noch, und dadurch wirkt sie höchstens komisch. Die Erleichterungen der hebräischen Verbote durch die Mischna zeigen ihm die „sprichwörtliche jüdische Verschmitztheit". Wenn es im Talmud heißt: Der Sabbat ist ineure Hand gegeben, nicht aber seid ihr übergeben in seine Hand, so ist das die gelegentliche freimütige Aeußerung eines braven Thoragelehrten; wenn aber Jesus die gleichen Worte in den Mund gelegt werden: der Sabbat ist um des Menschen willen da und nicht der Mensch um des Sabbat willen, so ist das natürlich eine Ueberwindung der Gesetzesreligion. Das ist „unjüdisch, un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.