Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 29 (sequence 12)
- Language
- German
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29 wahrlich kein Prophet zu sein, um eine Zeit verkünden zu können, in der man über die Astralmythen ebenso lächeln wird wie über die Fragmentenhypothesen. Inzwischen geht der Streit darüber noch immer weiter, welche positiven Resultate sür die Bibelforschung die Funde von der jüdischen Militärkolonie zu Elephantine und ihrem Heiligtum oder Tempel gehabt haben. Die ansprechende Darstellung, welche Israel Lovi von der ganzen Materie gegeben, scheint uns der Wahrheit am nächsten zu kommen. In jedem Fall wird eins der Bollwerke der modernen Bibelkritik, der sog. „Priestercodex", nach diesen Entdeckungen zusammenstürzen. Ein Forscher nach dem andern dreht dem alten Wellhausen den Rücken, und ganz zuletzt noch hat Professor Eerdmanns, der den Lehrstuhl Kuenens in Leyden innehat, in seinem neuesten Werke mit großer Emphase erklärt, daß er sich von der kritischen Schule von Graf, Kuenen, Wellhausen, offen lossage. Der wichtigste Punkt dieser Schichtenhypothese war ja der Ausbau der Quellenscheidung, die Astruc schon im Jahre 1753 gemacht hat. Nach der Ansicht Eerdmann's und wohl auch der Panbabylonisten beziehe sich aber der Ausdruck „Elohim" in der Genesis gar nicht auf den Gott Israels, sondern er sei ein Plural und die Geschichten in der Genesis, welche sich um diesen Namen gruppieren, trügen in ihrer ursprünglichen Form polytheistischen Charakter. Es sei ein Fundamentalirrtum jener alten Schule, daß sie angenommen habe, jene ältesten Quellen seien von einem streng monotheistischen Standpunkt aus später überarbeitet und redigiert worden in der Absicht, sie mit dem Geiste des Monotheismus der Propheten in Uebereinstimmung zu bringen. Auch durch diese radikale Hypothese wäre die Existenz des sog. „Priesterkodex" erschüttert. Es ist nicht unmöglich, daß die neue Anschauung die alte völlig verdrängt und auch eine Zeitlang das Feld behauptet. Uns kann es gleich sein. Wir sehen dieser Hypothesenjagd, die innerhalb einiger Jahrzehnte einen ganz mühsam aufgerichteten Turmbau einfach zerstört und einen neuen Turmbau an dessen Stelle setzt, ebenso künstlich und