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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 28

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1909-01-01
Page
28 (sequence 11)
Language
German
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28 enthalten, die sehr oft dem Kultus entlehnt sind, hat man auf palästinensischem Boden, wie Hugo Greßmann in seiner wertvollen Uebersicht „Die Ausgrabungen in Palästina und das alte Testament" mitteilt, eine verhältnismäßig große Zahl von Siegeln gefunden, die nur den Namen, aber kein Bild aufweisen. Diese bildlosen Siegel aus einer Zeit, die doch stark unter fremdem Einfluß stand, sind für die Kenntnis des israelitischen Wesens sehr wichtig: Die Besitzer bildloser Siegel wollten keine Bilder, und sie wollten sie nicht, weil ihre Religion sie ihnen verbot. Mit dem Schluß, den der sonst sehr freisinnige Autor daraus zieht, können wir uns nur einverstanden erklären. „Hier zeigt sich wiederum die Kraft der israelitischen Religion, die sich wohl durch das Fremde stark beeinflussen läßt, dennoch aber allmählich alles das abzustoßen weiß, was ihr nicht kongenial ist, oder, wenn sie es aufnahm, in ihrem Geiste umgestaltet. Diese innerliche Umgestaltungskraft ist eine charakteristische Eigenschaft der Israeliten, die wir je länger je mehr gerade aus dem Gebiete der Ausgrabungen schätzen und bewundern lernen." Ja, wenn nicht alle Zeichen trügen, breitet sich selbst auf dem Gebiete der Bibelkritik ein Umschwung vor. Von dem Hochmut, mit dem Hermann Gunkel über die biblische Literatur urteilt, bis zu den vorsichtigen Einschränkungen, mit denen Wellhausen selbst seine Schichtentheorie jetzt nur noch gewissermaßen verteidigt, ist ein weiter Weg. Wir glauben kann:, daß er selbst heute noch den Mut haben wird, sein Urteil zu wiederholen, daß in der Chronik „aus dem großen Krieger und listenreichen Diplomaten David ein harmloser Kantor und Liturg geworden sei". Auch die Angriffe gegen die Bücher Esra und Nehemia werden jetzt nach den Ausgrabungen in Assuan aufhören müssen. Die ganze künstliche Konstruktion hat einen Riß erhalten. Man „sieht's nicht mehr wachsen", wie es damals im Rausch der Begeisterung hieß. Ja, gerade die neuen Ausgrabungen, Funde und Forschungen werden den Weg zur Rückkehr auch für die radikale Richtung nicht allzu schwer machen, und man braucht

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