Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 26 (sequence 9)
- Language
- German
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26. Arbeiten der Aegyptologen und Babylonisten. In Kultus/ in Sitte, Moral und Recht, in Welt- und Naturbetrachtung, in der Geschichts- und Lebensbetrachtung, in Gottesglauben und Gotteslehre, ja selbst in den Vorstellungen von Offenbarung zieht er die neueren Funde und Entdeckungen an, will er Aehnlichkeiten, Einflüsse, Zusammenhänge erkennen. Zu . welchem Resultat gelangt er aber schließlich doch? Hören wir ihn selbst am Schluffe seiner Untersuchung. „Wir stehen am Ende. Ein überreiches religionsgeschichtliches Material ist in gedrängter Kürze an unseren Augen vorübergezogen. Aber das Ergebnis der Vergleichung ist in allen Kapiteln das eine und selbe gewesen : ein großes Ackerfeld von gleicher Qualität, gleicher Fruchtbarkeit und von demselben: Gärtner gepstegt, aber nur an einer Stelle hat er ein Edelreis in den Boden gesenkt. Es sind fast dieselben religiösen Vorstellungen, . Sitten, Gebräuche, die im ganzen alten Orient vorhanden waren, von jedem einzelnen Volke seiner Eigenart entsprechend ausgeprägt, doch nur in dem einen hat Gott selbst gesprochen, sich erschlossen, und dies sein Wort hat allmählich alles umgebildet, neu gemacht, und zugleich ein gut Teil des orientalischen Erbes neutralisiert oder ganz abgestoßen. Auf Schritt und Tritt haben wir Verwandschaften gefunden, doch, sobald wir genauer zusähen, traten uns nur die Verschiedenheiten deswegen erst recht ins Bewußtsein, so daß es ging wie bei der Vergleichung zweier ähnlicher Menschen: dem fernerstehenden fallen mehr die verwandten Züge auf, doch je näher man sie kennen lernt, um so mehr bleibt das Auge an den unterscheidenden Merkmalen haften. Diese Verschiedenheit, diese Ueberlegenheit der alttestamentlichen Religion über alle altorientalischen in geradezu jeder Richtung, die läßt sich unzweifelhaft auf dem Wege vorurteilslos abwägender Religionsvergleichung dartun. Wie man sie erklärt, ist eine andere Frage. Noch vor 20 Jahren, da Wellhausens religionsgeschichtliche Konstruktion fast ausschließlich Trumpf war,