Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 25 (sequence 8)
- Language
- German
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25 gemein anerkannt worden, erklärt unumwunden ein Forscher wie Fritz Hommel. Am wenigsten haben die biblischen Hymnen den Vergleich mit den babylonischen Bußspalmen zu scheuen. So hoch der Gottesbegriff Israels über dem babylonischen, so hoch sein Gott als Gesetzgeber und höchstes Prinzip der Sittlichkeit über den Gestalten des babylonischen Götterhimmels sei, so hoch erhaben sind auch die religiösen Ideen der Psalmen über den entsprechenden Gedanken der babylonischen Hymnen. Gerade aus ihnen tritt uns die Macht und die Größe der religiösen Wahrheit Israels am lautesten entgegen. Unser Autor schließt sein Kapitel in erhebender Weise mit folgendem Satz: „So konnte Israel durch die Prophetie erleuchtet und durch göttliche Schickungen geläutert auf dem Gebiete der Religion führend auftreten, und der größte Prophet der machexilischen Zeit konnte, in die Zukunft schauend, rufen: Siehe, Finsternis bedeckte die Erde und Dämmer die Völker; aber über dir Jerusalem läßt der Herr sein Licht strahlen". Gerade seine Darstellung ist ein beredetes Zeugnis von der Rückkehr besonnener Forschung auf diesem Gebiete. Die bleibende Bedeutung der Bibel erscheint ihm durch die moderne Forschung in keiner Weise gemindert. „Sie ist und bleibt ein Buch wahrerzählter Gottesgeschichte, ein Beweis für den singulären Charakter des Volkes Israel". Und wenn wir auch die Anschauungen keineswegs teilen, die Nikel von seinem Standpunkt aus an diese Erkenntnis knüpft, so können wir uns ihr doch aus vollem Herzen freuen, und wir dürfen mit dem Psalmisten sprechen: „Mögen Fremde dich loben, nicht dein Mund!" Nicht ganz so entschieden wie der katholische tritt der protestantische Forscher für die Bibel ein. Aber auch aus seinen Darlegungen geht die Mahnung zur Umkehr recht deutlich hervor. Aber die Darstellung Ernst Sellin's ist um so' wertvoller, weil sie Israel in den Rahmen der orientalischen Völker einführt, weil sie die Resultate der neueren Forschung akzeptiert, während Nikel sie doch im Wesentlichen ablehnt. Schritt für Schritt folgt Sellin den