Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 23 (sequence 6)
- Language
- German
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23 Wichtigste, der alttestamentarische Gottesbegriff, der ethische Monotheismus und sein Ursprung. Auch hier können wir ihm unbedingt folgen. Gerade mittelst der vergleichenden Methode läßt es sich beweisen, daß die Entstehung und Entwickelung des israelitischen Monotheismus durch die natürlichen Kulturbedingungen, unter welchen das Volk Israel gelebt hat, nicht in ausreichender Weise erklärt werden kann. Es läßt sich nicht erweisen, daß die Semiten im Besitze eines monotheistischen Instinkts waren, der etwa auf die Natur der senntischen Urheimat, die arabische Wüste mit ihrer Monotonie zurückzuführen wäre. Auch durch Reflexion kann Israel nicht zu seinem in der alten Welt einzig dastehenden Gottesbegriff gelangt sein, da andere, religiös mindestens ebenso begabte und interessierte Völker des Altertums die ganze plastische Kraft ihres Geistes erschöpft haben, ohne daß der Monotheismus beiihnen Volksreligion wurde. Auch das Schlagwort „Entwicklung" löst das Problem nicht, da gar nicht einzusehenist, warumdieNachbarnderJsraeliten, welche unter denselben natürlichen Entwickelungsbedingungen lebten, nicht zu demselben Resultate auf religiösem Gebiete gelangt sind. Endlich hat es sich herausgestellt, daß der Versuch, den Monotheismus Israels als ein von den Babyloniern entlehntes Gut hinzustellen, durchaus mißglückt ist. Man hat zwar gewisse monotheistische Strömungen in der babylonischen Religion nachzuweisen gesucht; aber man mußte zugeben, daß in keiner Epoche der babylonischen Geschichte etwas anderes wirkliche Volksreligion gewesen ist als krasser Polytheismus. Hat sich somit die Annahme dieses höheren Einflusses bei der Entscheidung und Entwicklung des israelischen Gottesglaubens als notwendiges Postulat erwiesen, so ist dabei zugleich auch für die Erklärung der übrigen Hauptmomente in der israelitischen Religionsgeschichte die direkte Richtung gegeben. Es handelt sich dabei irtt einzelnen um folgende Probleme: um die Ueberlieferung aus der Urzeit des Menschengeschlechts und aus dem Anfang des israelitischen Volks, um die Entstehung der pentateuchischen Gesetze,