Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 22 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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22 heutigen Vertreter der religionsgeschichtlichen Forschung nach ihrer Stellung zum alten Testament in drei Gruppen, 'deren Anschauungen sich etwa wie drei Stufen einer Treppe mit einander Verhalten- Die erste Gruppe umfaßt jene Forscher, die alle religiösen Ideen und Vorschriften der Bibel auf rein natürliche Entwicklungsbe-' dingungen (Raffe, Anlage, Klima, geographische Lage und Beschaffenheit des Landes, Politische Verhältnisse usw.) zurückführen. Es ist natürlich, daß diese Gruppe am weitesten geht. Die zweite gibt eine übernatürliche Leitung des Volkes Israel zu. Nach ihr ist dessen Religion vornehmlich durch die Prophetie zu jener Vollendung gebracht worden, die in den jüngsten Schriften des alten Testaments uns entgegentritt. In den Propheten habe sich Gottes Geist mit dem Geist Israels berührt, Die erzählenden Schriften der Bibel sollen nichts weiter als' darstellen, als „das rein menschliche Zeugnis Israels von seiner wunderbaren Leitung durch den Herrn". Die dritte Gruppe endlich umfaßt jene Forscher, welche sowohl die göttliche Leitung des Volkes Israel als auch , den Jnspirationscharakter der biblischen Schriften annehmen. Es ist nun interessant, Nikel auf seinem weiteren Wege zu folgen, uni so interessanter, als er ein durchaus moderner Mensch ist, der mit allen Mitteln der literarischen Kritik ausgerüstet und deshalb diese auf ihrem eigenen Felde zu bekämpfen in der Lage ist. Mit Recht stellt er von vornherein fest, daß es durchaus verfehlt wäre, jeden Einfluß natürlicher Kulturmomente, jede Art von Entwickelung in der religiösen Geschichte Israels auszuschließen. „Wie die Pflanze zwar ihr zum Leben nötiges Licht von der Sonne erhält, aber doch die Nahrung, welche Wurzel und Blätter ihr zuführen, nicht entbehren kann, wie im Leben des einzelnen Menschen Natur und Gnade neben einander auf die Entfaltung der Geisteskräfte einwirken, so haben auch in der Geschichte Israels natürliche und unnatürliche Faktoren zusammengewirkt." Von den einzelnen Problemen, um die es sich handelt, erscheinen dem katholischen Autor als das