Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 21 (sequence 4)
- Language
- German
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21 — es sein mufj, auch unterzuordnen, sind die Forscher oft weit über das Ziel hinaus geschossen. Den Gipfel der Vermessenheit hat Wohl der deutsche Gelehrte erreicht, der bei einer solchen vergleichenden religionsgeschichtlichen Untersuchung von dem „kleinen Gott Kanaans" zu sprechen gewagt hat! In den beiden großen Kulturkreisen von Babylon und Aegypten hat man das Geheimnis der israelitischen Geschichte finden und alle Rätsel lösen wollen, die in dieser Jahrhunderte hindurch die edelsten Geister beschäftigt haben. Indem man die Literatur und die Religion Israels auf ihren Ursprung zurückführen und untersuchen wollte, ob sie einheinnsch oder fremder Abkunft seien, ist man sehr weit über das Ziel hinausgeschossen und zu willkürlichen Deutungen gelangt, so daß der Weg zur Rückkehr oder zum Rückzug für alle besonnenen Geister und Forscher mit der Zeit sich fast von selbst ergeben mußte. Die Signatur der Arbeit dieses Jahres ist gewissermaßen die Mahnung zur Besonnenheit und zur Umkehr. Zwei Forscher aus ganz verschiedenen Kreisen, ein evangelischer und ein katholischer Theologe, haben in vortrefflichen Darstellungen diese Mahnung begründet. Ernst Sellin, der die Stellung der alttestamentlichen Religion im Rahmen der übrigen in klarer ruhiger vorsichtiger Weise beleuchtet, und Johannes Nikel, der die alten und neuen Angriffe auf das alte Testament und die Glaubwürdigkeit desselben im Lichte der Jnspirationslehre und der Literarkritik in scharfsinniger Weise erörtert hat. Wie weit auch unsere religiösen Anschauungen von denen dieses Forschers abweichen, wir können ihm doch meist auf seinem Wege folgen und uns dieser seiner Resultate aufrichtig erfreuen. Er fordert mit Recht, daß wir die Ergebnisse der modernen Kritik nicht einfach ableugnen oder abschwächen sollten; wir müssen uns vielmehr mit ihnen abfinden. Wir müssen den Umschwung anerkennen, der sich seit etwa einem Jahrhundert auf diesem Gebiet vollzogen hat und mit diesem rechnen. Das Objekt der Angriffe ist ein anderes geworden und auch die Methode ist eine veränderte. Nike! teilt die