Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5668
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 5 (sequence 4)
- Language
- German
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5 auch der in dem betreffenden Ort zuständige Rabbiner hinzugezogen, wofern sich am Ort ein jüdischer Lehrer und mindestens 20 jüdische Volksschüler befinden. Noch wichtiger ist prinzipiell und tatsächlich die Verteilung von 40 000 Mark Staatszuschuß für den Religionsunterricht unbemittelter jüdischer Gemeinden. Allerdings hat die Regierung den strengen Anspruch erhoben, diesen Zuschuß nur solchen Gemeinden zu erteilen, wo mindestens zwölf jüdische Kinder die Volksschule besuchen. Damit wären gerade die bedürftigsten Gemeinden ausgeschlossen. Allein es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß, in Uebereinftimmung mit den von allen Parteien des Abgeordnetenhauses geäußerten Wünschen, die Regierung die Forderung der Minimalzahl von zwölf Kindern fallen lassen und dementsprechend in Zukunft den Betrag des Fonds wesentlich erhöhen wird. Und nicht nur für den jüdischen Religionsunterricht, sondern — zum ersten Male — auch für den israelitischen Kultus hat in diesem Jahre der preußische Staat Mittel übrig. Allerdings nur für den Gottesdienst in Strafgefängnissen. Aber es ist doch ein Anfang, und der Grundsatz ist tatsächlich aufgegeben, daß für ben Staat Preußen die jüdische Religion nicht existiere. Ebenso werden, abgesehen vom Judentum, auch die Juden selber besser behandelt. Die Zurücksetzung der jüdischen Rechtsanwälte bei der Ernennung zum Notariat ist beträchtlich, man darf eigentlich sagen im Bereiche der Möglichkeit gemildert worden; ebenso die Ernennung zu Richtern. Nur zu leitenden Stellungen — Direktoren, Präsidenten — wagt Justizminister Beseler Juden noch nicht zu berufen. Aehnlich ini Bereiche des Kultusministeriums. Neben 63 jüdischen Oberlehrern und Professoren an städtischen höheren Knabenschulen gab es 1906 immerhin 11 an königlichen Anstalten dieser Art. Freilich von jüdischen Direktoren an nicht speziell jüdischen Schulen hört man nichts. Aber ganz ausgeschlossen sind die Juden in Preußen noch von der höheren eigentlichen Staatsverwaltung und von dem Offizierstande. Merkwürdigerweise ist in