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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Rückblick auf das Jahr 5668
Date
1909-01-01
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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teidigung des Ansehens, des Rechts und der Würdigung unserer Religion und unserer Glaubensgemeinschaft einzntreten. Die von dem Verbandstage gefaßten Beschlüsse bekämpfen vor allem die Förderung der Heuchelei, Unwahrheit und Unmoralität feitens der Staatsregierung durch Begünstigung des aus selbstsüchtigen Beweggründen hervorgehenden Religionswechsels, sowie die prinzipielle Zurücksetzung jüdischer Ausländer, nur weil sie Juden sind, durch Ausweisung aus dem deutschen Reichsgebiet und durch Verweigerung der Naturalisation. Solche berechtigten Forderungen, wenn laut und dringlich ausgesprochen und unermüdlich wiederholt, werden ihre Wirkung schließlich nicht verfehlen. Aber noch wichtiger ist die innere Kräftigung, die die deutsche Judenheit durch das einmütige Zusammenwirken hervorragender Glaubensgenossen, ja deren Gesamtheit, und durch den würdigen Verlauf dieser Versammlungen erfährt. Einige Tage vorher hatte, gleichfalls in Frankfurt, der Delegiertentag des jüdischen Frauenbundes sich versammelt. Er legte Zeugnis ab von dem regen Leben, das sich unter den jüdischen Frauen nnd Mädchen immer stärker entwickelt, um im religiösen, sozialen und Humanitären Sinne zu wirken. Je mehr in bedauerlicher und schädigender Weise die Frauen bis vor kurzem sich von allen das Judentum betreffenden Interessen fern gehalten hatten, um so herzlicher sind die echt jüdischen Bestrebungen zu begrüßen, die sich in dem Frauenbunds kundtun, der sich dabei von jedem Uebermaß, von jeder Ausschreitung nach den Extremen hin, in anerkennungswürdigster Selbstzucht und Besonnenheit fern hält. In dem größten deutschen Staate, in Preußen, haben sich die Verhältnisse der Juden sichtlich zum Besseren gewandt. Die grundsätzliche Ignorierung der jüdischen Religion von Seiten des Staates hat aufgehört. Infolge des neuen Schulgesetzes ist zu den Schuldeputationen, die in denjenigen Orten und Schulverbänden, die mehr als 3000 Einwohner zählen, einzurichten und mit weitgehenden Befugnissen ausgerüstet sind.

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