Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5668
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Das ist die Denkweise und das sind die Tatsachen, Lie schließlich Rassenhaß und Rassenvorurteile überwinden -werden, und damit auch den Antisemitismus. Erst wenn Weltbürgertum und Humanität wieder den Sieg in den Gemütern erlangt haben, wird man sich dieses Hasses und dieses Vorurteils schämen, wie es bis vor einem halben Jahrhundert der Fall war, und das wird das Ende des Antisemitismus sein, wenigstens in seiner greifbaren Gestalt. Dann wird der Grundsatz der allgemeinen Duldungtriumphieren. Wir ineinen nicht die lässige, untätige, geringschätzende und deshalb im Grunde wenig werte Duldung, sondern die freiwillige und gütige Schätzung der Besonderheiten, wie zwischen den einzelnen Menschen, so auch zwischen den einzelnen Volksstämmen. Freilich, bis wir dahin gelangen, wird es noch langer Zeit und unausgesetzter Bemühungen aller Edlen -und Einsichtigen bedürfen. Nur ein Schimmer der Morgenröte eines hellen und beglückenden Tages färbt -erst die dunkelen Wolken der Stammeszwietracht und des finsteren Vorurteils. Lediglich das wollten wir hier feststellen und, wie die tiefere Ursache des Uebels, auch die fernere Aussicht auf seine Hebung andeuten. Inzwischen haben wir Juden allen Grund, auf der Wacht zu bleiben und nicht nur gegen jedes Unrecht, das uns als Israeliten zugefügt wird, mit geeinigter Kraft anzukämpfen, sondern auch das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit zu stärken und aus diesem berechtigtes Selbstgefühl und Vertrauen auf unsere gute Sache zu schöpfen. Noch ist es lange nicht so weit, daß wir die Waffen aus der Hand legen dürfen. Die zweite Tagung des Verbandes der deutschen Juden, am 14. Oktober 1907 zu Frankfurt ain Main, war eine glänzende, nach außen sowohl wie nach innen überaus eindrucksvolle Betätigung des Geistes der Einigkeit und Eintracht, der in unserer deutschen Glaubensgenossenschaft herrscht. Vierhundert Delegierte aus allen Teilen des Reiches hatten sich hier versammelt, um einmütiges Zeugnis dafür abzulegen, baß alle ihre Auftraggeber entschlossen sind, für die Ver-