Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111080-3112433--1975-3112685- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
241 jauchzende Seele vermählte sich denen, die da litten um ihres Glaubens willen, und ein heiliger Schwur verband ihu für immer dem Volke Israels ... Freudiger Stolz schwellte seine Brust, als er das Kloster verließ, in dessen Mauern er so schweres gelitten, und ein Gefühl namenloser Erleichterung beflügelte seine Schritte. Rastlos setzte er seinen mühseligen Weg fort, seine Kraft erlahmte nicht, obwohl er fast gar keine Nahrung zu sich nahm; es verlangte ihn nicht nach leiblicher Nahrung und nur sein Geist sehnte sich mächtig nach der Erfüllung seines heißen Sehnens. Es war Abend geworden. Zum drittenmale seit er das Kloster verlassen, senkte sich die Nacht Hemieder und bedeckte die Erde mit undurchdringlicher Finsternis; allein mitten durch die alles verhüllende Nacht gewahrte sein scharfes Auge die Umrisse einer nahen Stadt. Das mußte das Endziel seiner Reise, ja, das mußte Tiberias sein, die Gemeinde, deren ehrwürdigem Oberhaupte er noch heute sehnlichst gegenüber zu treten wünschte. So beflügelte er denn seine Schritte, um die Judenstadt zu erreichen, ehe die Nacht vollends hemiedersank. In fliegender Hast suchte er seinen Weg und jetzt, als er sich vor den Mauern der Stadt befand, als seinen dankerfüllten Blicken das Gotteshaus sichtbar war, dem er jetzt mit jedem Schritte näher kam, da entrang sich ein Seufzer der Erleichterung seiner Brust und seine Lippen flüsterten leise ein inniges Gebet.- Jetzt war er vor" den greisen Rabbi hingetreten, zu dem ihn auf seine Bitte ein kleiner Junge geleitet hatte. Und hier zu den Füßen des ehrwürdigen Mannes, der ihn gütigen Tones willkommen hieß, da löste sich der Bann von seiner Seele und, anfangs zögernd und beklommen, dann aber voll glühender Begeisterung rollte er die Geschichte seines Lebens aus, verschwieg nichts, beschönigte nicht die dunkeln Flecken, die es aufzuweisen hatte, schilderte seinen Gang zu weltlicher Lust, dann aber auch seine Einkehr in sich selbst, durch die er seine ringende Seele zu befreien gehofft, und in heiß aufflammender Rede erzählte er, wie seiner Seele nach bangen Zweifeln die Erkenntnis wurde, daß nur ein 16