Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 52)
- Language
- German
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240 Seele den Frieden, seinem gequälten Geiste Befriedigung verschaffen könnte. Wohl beherrschte ein dunkles Ahnen sein Gemüt: er wußte, daß in dieser sündigen Welt ein Häuflein Auserkorener lebte, die ein Gott in ihrer Brust stets den rechten Weg wandeln hieß, die jede Berührung mit dieser Außenwelt, die ja lasterhaft uud sündig war, vermieden und die sich rein erhielten mitten im Sumpfe. Allein der Gedanke an d.ie Gemeinschaft mit jenem, von den Menschen verachteten, Gott aber wohlgefälligen Volke, war noch nicht reif geworden in seinem Geiste. Nun aber, als er sich in der Zeit seiner Einsamkeit immer mehr mit der Geschichte jenes Volkes befaßte, nun erst erkannte er seine volle Größe und seinen reinen Glauben. Das felsenfeste Gottvertrauen, das sie auch in den Tagen der schimpflichsten Unterdrückung ihr Haupt kühn emporrichten ließ, das sie geleitete durch die Wüste und über das Meer, erfüllte auch ihn und er fühlte, wie alle Zweifel von seiner Seele schwanden, er fühlte sich hingezogen zu jenen . . . Gleich ihnen wollte er kämpfen und dulden um des wahren Glaubens willen, mit ihnen vereint den Weg wandeln, der zur erträumten Höhe führt . . . Wie hatte doch einer von ihnen, Hiob, alle Leiden und alles Unheil erduldet und war nicht schwankend geworden in seinem unerschütterlichen Glauben an Gottes Gerechtigkeit und Gnade! — Und als nun jenes Schreiben aus Byzanz anlangte, worin ihm von neuen Greueln berichtet wurde, die seine Glaubensgenossen, unter dem Deckmantel heuchlerischer Frömmelei verübten und das zugleich die Nachricht enthielt von der edlen Tat des Juden, der sein Leben geopfert, um eines fremden Kindes willen, eines Christenmädchens, für das zu sorgen er ihrer sterbenden Mutter versprochen hatte, da war der Plan gereist in seinem Kopfe und nach langen, schmerzlich durchdachten Nächten, in denen er nochmals streng seine Empfindungen prüfte, sich Rechenschaft ablegte darüber, daß auch nicht ein unlauterer Gedanke die Triebfeder seines Handelns sei, da war der Entschluß zur Tat geworden und mitten in einer schweigenden Nacht, allein mit seinem Gotte, da sagte er sich los von dem Glauben, der ihm das Heil nicht gebracht hatte, und seine