Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 239

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 239 (sequence 51)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111080-3112433--1973-3112683
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

239 O, Photius! Die Welt ist von einem Scheusal befreit! Theodora ist tot! Soeben hat ein Herold die Kunde durch die Straßen getragen . . . Ehre und Preis dem Herrn!" IX. Mitten im sengenden Sonnenbrände, das von der hohen, schwarzen Mönchsmütze befreite Haupt gebadet im Sonnenlichte, die Brust erfüllt von frohen Hoffnungen, die Seele, befreit von langem, harten Kampfe, so zog Photius, der bekehrte vornehme Jüngling aus Byzanz, der Mönch aus dem Sinai-Kloster, wieder durch die Wüste hin. Und wahrlich, der heitere Glanz seiner Augen, der Ausdruck seligen Friedens, der auf seinem Antlitze lagerte, kündete, daß Friede eingezogen war in sein gepeinigtes Gemüt und daß seine Seele die Heimkehr gefunden zu ihrem Gotte. All die bangen Zweifel, die seinen Geist beherrschten, die ihm die Ruhe geraubt am Tage und den Schlaf der Nächte, sie waren nun verschwunden, und sonnenklar sah er den Weg vorgezeichnet, den er durchschreiten mußte, um zum heiß begehrten Ziele zu gelangen; für ihn gab es fürderhin kein Zaudern und Jnnehalten, wie durch ein Wunder war feiner fragenden Seele der rechte Weg gezeigt worden und diesen wollte er nun frohgemut und kampfbereit betreten. Und so schritt er dahin und achtete nicht der Beschwerden der langen! Tagereisen im glühenden Wüstensand, nicht der Gefahren der Nächte in der Nähe der wilden Tiere und der noch wilderen Beduinen, und nur ein Gedanke beflügelte feine Schritte: die Sehnsucht, das Ziel zu erreichen, das ihm verheißend winkte. Während der ganzen Zeit, die er im Kloster verlebte, und nun gar in den Tagen, die der Botschaft aus Byzanz vorangegangen waren, hatte ein dunkles Empfinden feine Seele beherrscht, daß es anders werden müsse, daß er vergehen müsse, sollte er diese Höllenqualen noch länger erdulden, mit denen Abscheu vor der Welt, Zerfallenheit mit sich selbst und mit den Dienern der Kirche seine Seele marterten; allein noch war es ihm nicht klar, auf welche Weise dies geschehen könnte, wodurch er seiner ringenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.