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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 238

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 238 (sequence 50)
Language
German
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238 an der sie, die armen, gedrückten Juden, beteiligt sein sollten, eigentlich aber nur, um ihnen ihr Geld und ihre Kostbarkeiten zu rauben, die der habgierigen Theodora schon lange in die Augen stachen, dann aber auch, um mir, ihrem geliebten Vetter und dem Nachfolger Justinians, einen Streich zu spielen. Du weißt, daß ich damals Deinen Wunsch erfüllte und das kleine Mädchen, für das Dein edles Gemüt Erbarmen empfand, mir von der Kaiserin als Sklavin erbat; ehe ich in die Schlacht zog, übergab ich meinem treuesten Diener die Kleine, mit dem Aufträge, sie allsogleich in ihr Elternhaus zu bringen. Der Jubel, mit dem die Juden das Christenkind empfingen, soll unbeschreiblich -gewesen sein. Die Freude währte jedoch nicht lange; denn als die lasterhafte Kaiserin durch ihre Spione erfuhr, daß ich Irenen nicht für mich begehrte, sondern sie in das Haus ihrer jüdischen Pflegeeltern gesandt hatte, da entbrannte ihr Zorn aufs höchste; mag sein, daß sie in ihrer Schlauheit auch Deine Hand im Spiele wähnte, als es galt, Irene zu befreien: genug, sie ließ den Wohnort der Kleinen ausforschen und als sie ihn gefunden, drangen Soldaten in das Haus des Juden. Und nun höre und bewundere mit mir die Seelengröße jener verachteten Inden: Im Augenblicke, als die Soldaten vor Chaskiels — -so, glaube ich, hieß der Jude — Häuschen Halt machten, gelang es demselben, Irene in einen Keller zu verbergen, wo sie mit der Gattin Chaskiels den Verfolgern entging. Ihn selbst aber trafen die Eindringenden, in der Stube, das Haupt über seine heiligen Bücher geneigt, in stummer Ergebenheit seiner Todesstunde harrend, die denn auch nicht lange auf sich warten ließ; denn durchbohrt von den Lanzen von Theodoras Henkersknechten hauchte der arme, opfermutige Mann sein Leben aus. Eine Greisin, die gleich ihm den Aufenthalt Irenens nicht verraten wollte und die krank in derselben Stube lag, tötete der Schreck, ehe die Mörder auch an ihr Theodoras Gebot vollstrecken konnten. Ich habe, als ich davon Kunde erhielt, Irene aus ihrem Versteck, in dem sie sich einen ganzen Tag gehalten, des Nachts befreien und sie samt ihrer Pflegemutter auf meine Villa am Meere bringen lassen, wo die Aermsten wohl fortan Ruhe finden werden.

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