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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 237

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 237 (sequence 49)
Language
German
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237 der Kaiserin vermalt wurde und anscheinend glücklich sei, und ein harter Zug stahl sich in sein Antlitz, als er jetzt weiter las, daß die Kaiserin Theodora schwer erkrankt und ihrer Tage wohl nicht mehr viele sein würden, „und deshalb, mein Photius", schloß die Zuschrift, „halte ich es nun für das Beste, wenn Du die Einsamkeit verließest und wieder zu uns zurückkehrtest in die Heimat. Was hält Dich bei den Mönchen? Unmöglich kannst Du, dessen erhabener Geist sich nicht durch Beten und Kasteien einlullen läßt und dessen edlem Denken das Gebaren der fanatischen Mönche ein Greuel sein muß, unmöglich kann Deine Seele, sage ich, dort die Ruhe finden, nach der Du schmachtest, unmöglich Dein Sehnen nach Wahrheit und Recht dort gestillt werden. Sieh, mein Photius, all dasjenige, das Dich damals zur Flucht getrieben, ist nun nicht mehr; Du hast keinen Grund mehr. Dich verborgen zu halten; Deine Feindin, die Kaiserin, die Dich erst mit ihrer Liebe, dann mit ihrem Hasse verfolgte, sie geht ihrem Ende entgegen, und bald wird nur ihr schimpfliches Andenken Zurückbleiben — Du hast danach nichts gu befürchten — verzeih diesen Ausdruck, es war ja auch nicht die Furcht, die Dich aus Byzanz getrieben, nein, das Grauen vor unseren verrotteten Zuständen — darin hat sich nun allerdings nichts geändert; heute wie dainals fallen tagtäglich Unschuldige der Mordgier des Kaiserpaares zum Opfer, gleich damals wüten sie gegen alles menschliche Empfinden, hören aber nicht ans, Kirchen zu erbauen, um dadurch ihre Frömmigkeit zu beweisen — nun. Du kennst ja selbst Justinians Bauwut zur Genüge. Noch immer versinkt unsere vornehme Jugend im Schlamme der gemeinsten Ausschweifnngen, noch immer werden Andersgläubige verfolgt und ausgerottet: so hat die edle Theodora jüngst noch eine Judenverfolgung befohlen, die aber, mit Schmerz muß ich es gestehen, mich zum unfreiwilligen Urheber hat." Hier stockte der Lesende und eine fahle Blässe bedeckte seine Wangen. Mühsam las er weiter: „Es ist überflüssig zu sagen, daß ich die Greuel nicht ahnte, die Theodora beging, um sich an mir, den sie neuerdings mehr als je haßt, zu rächen. Genug, sie ließ wieder eine Unzahl von unschuldigen Juden hinrichten, angeblich einer Verschwörung halber,

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