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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 236 (sequence 48)
Language
German
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236 beschleunigte er seine Schritte, um das Gebäude noch vor Sonnenuntergang zu erreichen. Einige Minuten danach befand er sich bereits in seiner Zelle, die ihm seit seiner Ankunft zum Wohnorte angewiesen worden. Er setzte sich auf sein hartes Lager hin und den Kopf in beide Hände gestützt, starrte er, wie traumverloren, vor sich hin. Plötzlich wurde sein Blick durch eine weiße Rolle gefesselt, die von dem hölzernen Tische her, der an der anderen Wand der engen Zelle stand, durch die Dunkelheit blinkte. Betroffen von dem Anblicke einer Botschaft — und eine solche schien es ja, die die weiße Hülle umschloß — erhob sich Photius rasch, um Licht zu machen. Während seiner Abwesenheit mußte einer der Brüder in seiner Zelle gewesen sein und ihm diese Rolle überbracht haben. Von wem mochte sie wohl kommen? Wer hatte noch Interesse für ihn und wem verlangte es noch, mit dem Weltflüchtling in schriftlichen Verkehr zu treten? Betroffen wich er zurück, als er an beiden Enden der Papyrusrolle das kaiserliche Siegel von Byzanz erkannte. „Mein Gott! Welche Kunde wird mir durch dieses verschlossene Papier, das den Weg in meine Einsamkeit gefunden hat? Welch neues Unheil soll ich vernehmen?" Rasch riß er das Siegel hinweg und ein Strahl freudiger Ueberraschung glitt über seine eingefallenen Wangen. „Von Germanos!" rief er überrascht aus, „was hat der treue Freund mir zu berichten, das ihm wert genug schiene, meine Einsamkeit zu unterbrechen!" Und er vertiefte sich in das Lesen der Rolle, die den Weg vom üppigsten Hose der Welt in seine stille Klause am Fuße des heiligen Berges gefunden hatte. Gleichgiltig glitt er über die Mitteilungen hinweg, die ihm der Fürst über Justinian und seine neuesten Regierungstaten machte, ein wehmütiges Lächeln zuckte um seine Lippen, als er weiter las von den Heldentaten seines Vaters Belisar, dem der Kaiser mit schnödestem Undank lohne, von seiner Schwester, der schönen Joannina, die an einen Verwandten

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