Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 47)
- Language
- German
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235 zu Werden jenes felsenfesten Gottesglanbens, jenes unerschütterlichen Gottvertrauens. Jahrelang hatte er gekämpft und gerungen, hatte das wahre Heil gesucht, durch das dem Menschen..Erlösung werde aus seinenl sündigen Treiben, hatte sich glücklich gepriesen, als er es innerhalb der Klostermauern zu finden glaubte,.... und als die Zweifel noch immer seine Seele peinigten, als er einsehen lernte, daß sein Weg ein Irrweg sei und daß die Anhänger der Gotteslehre die Gottheit hintansetzten dem sündigen Trachten in ihrer eigenen Brust, dem Trachten der Weltlust, des Hochmutes und der Sünde fröhnten, da hatte tiefes Grauen ihn erfaßt und er war zusammengesunken unter der Last der nagenden Kämpfe, die seine Seele erfüllten. Er floh die Gemeinschaft der Brüder uud suchte die Einsamkeit . . . Die anderen Mönche ließen den seltsamen Träumer auch bald allein, mochte er allein mit sich fertig werden, sie hatten für seine Glaubenskämpfe ja doch stets nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Und da, in der Einsamkeit seiner Zelle, in die kein Geräusch drang, weder das monotone Gebet der Mönche, das sie gewohnheitsmäßig ableierten, noch ihre fröhlichen Trink- und Eßgelage, denen sie sich, den Augen Unberufener entzogen, bis zum Uebermaße Hingaben — hier vertiefte er seinen grübelnden Geist in die heiligen Schriften und wie ihm hier, in dem heiligen Buche, weit vor allen anderen Verkündern dieses Gebotes, mit goldenen Lettern die Lehre von der allgewaltigen Menschenliebe entgegenstrahlte und er Erkenntnis schöpfte aus den Büchern der Propheten, da fühlte er neuen Mut einziehen in sein müdes Herz und mit flammender Begeisterung verfolgte er im Geiste die Wanderungen Israels durch die Wüste, geleitete ihre Könige und Feldherren in die siegreiche Schlacht und beweinte mit heißen Tränen den Untergang des heiligen Landes und die Zerstörung des Tempels Salomonis. Sinnend war er dahingeschritten. Der Regen hatte aufgehört und eine leichte, frische Brise wehte vom Meere her.. Jetzt wurde er es gewahr, daß er sich schon auf der Anhöhe befand, die zum Klostergebäude hinaufführte, nun