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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 232

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 232 (sequence 44)
Language
German
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232 hinter ihm herjagen ließ, nur sorgend, die Stätte zu erreichen, auf der seinem wundgehetzten Leibe die Ruhe, seiner bangenden Seele der Glaube werden sollte. Und hatte er ihn gefunden? — War seine Seele geläutert, hatten die argen Zweifel sich gelöst, die seinen Geist erfüllten — war seinem bangenden Gemüte die Erkenntnis geworden, nach der er sich in verzehrendem Drange heiß sehnte? ' O! wie hatte er gebetet und gefastet, hatte seinen Leib kasteit und sich Bußstrafen auferlegt, wie hatte er sich nächtelang in die Schriften heiliger Kirchenväter vergraben und — dennoch konnte seine Seele nicht froh werden, dennoch nagten die grausamsten Zweifel an seinem Gemüte. Wie hatte es ihn hierhergezogen, in diese weltabgeschiedene Stätte, ihn heiß verlangt nach diesem Erdenfleck, an dem alle menschlichen Leidenschaften verstummen, alle niederen Triebe ausgelöst werden mußten vor der beseligenden Nähe des Herrn! Und nichts von alledem hatte er im alten Kloster am Sinai gefunden! . . . Waren es in Byzanz die Laster der Wollust und der Zuchtlosigkeit, welche die Menschen erniedrigten und seinen Abscheu erregten, so wurden hier, an dieser gottgeweihten Stätte, von den frommen Vätern Handlungen verübt, die durchaus nicht in Einklang zu bringen waren mit den Gelübden, die sie bei ihrein Eintritte in das Kloster abgelegt hatten. Gar oft während der Zeit, die er nun in dem Kloster verbrachte, bot sich ihm die Gelegenheit, den Mangel eines höheren sittlichen Gefühles zu entdecken, der sich einerseits in Haß und fanatischer Feindschaft bekundete, mit dem die frommen Brüder jeden Andersdenkenden verfolgten, und der sich wieder in dem Geize und der Habgier der Mönche offenbarte, mit dem sie Schätze anzuhäufen suchten, die nur ihrem Kloster zur Ehre und ihrem Magen zur Freude dienen sollten. Angewidert von dem schalen Treiben der Klosterbrüder, abgestoßen von der allzu weltlichen Gesinnung der frommen Väter hatte er sich ganz von jeder Gemeinschaft zurück-

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