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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 231 (sequence 43)
Language
German
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231 Strähnen fiel sein langer Bart auf das Mönchsgewand nieder, das, durchtränkt von der schweren Regenflut, eng seinen Leib einhüllte. Die Sandalen, mit denen seine Füße bekleidet waren, hingen nur noch lose an den Beinen und bald mußte die Flut, die er zu durchwaten hatte, ihm auch diesen letzten Schutz hinwegspülen und er mußte barfuß seinen Weg zum Klostergebäude fortsetzen. Jetzt hatte er seine gebeugte Gestalt aufgerichtet und sein Blick spähte forschend ringsum, und wahrlich, wäre es der Blick dieses großen, blauen Auges nicht gewesen, der noch an sein früheres Aussehen gemahnte, kein Mensch hätte in den verwitterten, kummervollen Zügen das in sonniger Helle strahlende Jünglingsantlitz des edlen Photius zu erkennen vermocht. In diesem Auge jedoch glühte und glimmte es noch wie von verhaltener Sehnsucht, in seinem Strahl zitterte noch die Frage, die ewig ungelöste Frage an das Schicksal. Armer Weltflüchtling! So hast dn auch hier den Frieden nicht gefunden, den Du zu suchen ausgezogen warst, der dir so verheißend winkte und den zu erhaschen sich deine kindliche Seele damals vermessen hatte. Armer beklagenswerter Photius! Damals, als er ausgezogen, angewidert von der Fäulnis der Menschen, als er hinweggeeilt war und sich geflüchtet hatte aus der Welt der Heuchelei und Nichtswürdigkeit, da hatte sein Herz frohlockt und er hatte gejubelt über den Sieg, den seine Seele errungen, hatte sein Geschick gepriesen, das ihm für ein Leben voll unnützer Weltlust, für ein Dasein voll leeren, nichtigen Tandes den Frieden geben sollte, den Frieden der Seele und die Erkenntnis des Wahren. Voll heißen Dranges, den Kopf erfüllt von seiner glücklichen Erlösung, die Seele erhoben von dem Gedanken an die Vereinigung mit seinem Gotte, den wahren Glauben erflehend, der im stände sei, die Seelen der Menschen zu läutern, ihre sündigen Triebe zu vernichten, ihre grausamen Leidenschaften zu bezähmen, so war er hierher geeilt, nicht achtend der Mühsal der Wanderung, nicht scheuend die Gefahren, nur ängstlich darauf bedacht, den Verfolgern zu entrinnen, welche die Kaiserin in ihrer blindwütigen Leidenschaft

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