Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 40)
- Language
- German
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228 „Schenke mir die Kleine . .. „Ha, ha, ha!" lachte die Kaiserin und ihre Wangen färbten sich mit glühender Röte, „da sieh doch einer den tugendhaften Germanos an. Also die Kleine findet Wohlgefallen in Deinen Augen?" „Sie ist ein Kind!" . „Aber sie verspricht ein blühendes Mädchen zu werden, so hoffst Du?" Und belustigt setzte sie hinzu: „Recht von Herzen bedauere ich, daß ich nicht ein halbes Dutzend solcher kleiner Pflänzchen habe, ich schenkte Dir sie alle — nimm sie hin und mache mit ihr, was Du willst!" Ein Zug des Ekels erschien auf dem Antlitze des Prinzen. Die Kaiserin aber in ihrer unbändigen Lachlust gewahrte es nicht. „Geh," sagte sie, „Sabina ist bei Deiner kleinen Freundin, melde ihr den Befehl, sie Dir zu übergeben, gehe und vergnüge Dich, wie es Dir gefällt!" Und laut lachend warf sie sich auf die Ottomane hin.- Im Hause des Juden Chaskiel herrschte tiefe Trauer. Wochen waren seit jenem Unglücksabende verflossen, an dem sie ihr Pflegekind für immer verloren hatten und noch immer konnten sie sich über den Verlust des ihnen so teueren Wesens nicht trösten. Oft und oft gedachten sie des armen Kindes und schaudernd mußten sie sich eingestehen, daß sie nie mehr in ihr elterliches Haus zurückkehren werde, daß sie verloren sei, und der Wunsch regte sich in ihren Herzen, daß sie die tyrannische Kaiserin nicht gerettet haben möge, nein, daß sie untergegangen wäre, unterlegen der tötlichen Umarmung der wilden Bestie, ehe sie ein Asyl finden sollte in der lasterhaften Hofgesellschaft, in der Nähe der verhaßten Tyrannin. Sie wäre dahingegangen, ausgelöscht wie ein Lichtlein, das-kaum zu glimmen begonnen, und sie hätten getrauert und sie beweint — allein, ihre reine Seele wäre zu den Engeln eingezogen und. sie hätten sie gepriesen gleich einer Seligen: denn selig zu preisen sind jene, die Gott der Herr zu sich beruft, ehe sie von der Fäulnis ihres Lebens befleckt