Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 39)
- Language
- German
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227 schönen Augen morgen nicht so hell blicken, weil ihnen durch mich eine Stunde köstlichen Schlafes' geraubt wurde." Mit gleichgiltigem Lächeln vernahm sie dieses Lob aus dem Munde des in der Schmeichelei so ungeübten Prinzen, dann aber irrte ihr Blick wie abwesend durch das Gemach, um über der Gestalt des Besuchers hinweg an einem Punkte hasten zu bleiben: an der kleinen, goldverzierten Türe, durch die jetzt jeden Augenblick Photius eintreten würde. Ungeduldig erwartete sie, daß der so unwillkommene, srostig empfangene Gast sich zum Aufbruche rüste, allein ein Blick auf seine sinnende Haltung ließ sie erkennen, daß er noch nicht Miene mache, sie zu verlassen. So entschloß sie sich denn, auf die Gefahr hin, ihn zu verletzen, die Audienz selbst abzubrechen und indem sie sich erhob, sagte sie, ihm mit gewinnendem Lächeln die Hand zum Kusse reichend: „Justinian, mein erhabener Gemahl, weiß wohl, wie wichtig Deine Gegenwart im Felde ist und wie sehr Dein Mut das Heer zu den kühnsten Schlachten begeistern wird! So wünsche ich Dir denn auch neuerdings die stets siegreiche Hand und eine glückliche Heimkehr." Germanos begriff wohl, daß die Kaiserin allein sein wollte, dennoch zögerte er und in seinen Zügen spiegelte sich sichtliche Verwirrung. „Hast Du einen Wunsch, edler Germanos," nahm jetzt mit mühsam unterdrückter Ungeduld die Kaiserin das Wort, „an dessen Erfüllung Dir, ehe Du in das Lager ziehst, viel gelegen ist, so rede!" „Du hast mir es von den Mienen abgelesen, erhabene Frau . . .." „Nun denn, er sei Dir gewährt!" rief mit zuckenden Lippen und unruhig umherirrenden Augen Theodora. „Vergib, daß ich es wagte, Deine Einsamkeit zu stören," sagte, ihre Ungeduld gewahrend, Germanos. „Ich verlasse Dich und erflehe den Segen des Himmels auf Dein Haupt — allein, ehe jch Dich verlasse, gestatte mir noch eine Bitte. Ich sah vor einigen Tagen in Deinem Garten, Theodora, ein kleines Mädchen lustwandeln . . . ." „Ja, ja, Irene," unterbrach ihn rasch die Kaiserin. „Was soll's mit ihr?" 15*