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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 229

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 229 (sequence 41)
Language
German
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229 sind: so aber — und ihr frommes Gemüt schauderte — so war ihr Leib gerettet, ihre Seele aber dem sicheren Verderben geweiht. Und sie erhoben ihre Seele zu Gott und erflehten Rettung für das ihnen anvertraute Kind. Es war am Ausgang des Wochenfestes. Nicht freudigen Herzens und von jauchzender Lust beseelt hatten die Juden das schöne Fest gefeiert. Nein, seufzend unter dem harten, fast unerträglichen Joche, schwer bedrückt von der Herrschaft des Tyrannen, zu Tode erschöpft und ausgesaugt von der Last der ungeheueren Steuern, mit denen sie stets von neuem der unersättlichen Habgier des Kaisers und seiner verhaßten Gemahlin Genüge leisten mußten, so hatten sie das herrliche Fest gefeiert, glaubend, hoffend auf die göttliche Gerechtigkeit, die sie erretten würde aus dem schimpflichen Joche, mit dem Justinian und seine schurkischen Beamten sie unterdrückten. Fast schien es, als wäre es nicht Chaskiel und seine kleine Familie allein, die schwer litten, als hätten nicht sie allein einen Verlust zu beklagen: eine so trübe Stimmung beherrschte die Gemüter der ganzen Judengemeinde und ließ sie ihres Lebens nicht froh werden. Chaskiel war aus dem Gotteshause heimgekehrt, in dem er heute mit den Glaubensbrüdern Gott um Schutz vor dem Feinde und Rettung aus der Knechtschaft angefleht hatte und jetzt waren sie um den Tisch versammelt, um ihr bescheidenes Abendessen einzunehmen. Ein dumpfes Schweigen herrschte in dem kleinen traulichen Gemach, nichts regte sich-plötzlich erhob Judith lauschend den Kopf. Von der Straße her ließ sich das Geräusch nahender Schritte vernehmen, die bei ihrem Hause hielten. Erbleichend und bebend vor Angst wandten sie den Blick nach der Türe hin, die jetzt mit heftigem Rucke aufgerissen wurde. Mit einem jubelnden Aufschrei stürzte Irene in das Gemach und schlang jauchzend ihre Arme um den Hals ihrer geliebten Pflegemutter und bedeckte mit heißen Küssen die runzeligen Wangen der alten Frau und die herabhängenden Hände des Juden Chaskiel.

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