Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 38)
- Language
- German
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226 Eine Zorneswelle färbte ihre Wangen über diese unliebsame Störung. Gerade jetzt, wo sie den Geliebten erwartete, sich heiß danach sehnte, in seine lieblichen Züge zu schauen, gerade jetzt mußte dieser alberne Germanos erscheinen. Was führte ihn hierher? Mußte sie ihn empfangen? Seiner gleichgültigen Unterhaltung lauschen, während sie sehnsüchtig der Ankunft des Geliebten harrte? Unmöglich! Und schon wollte sie der Harrenden die Weisung geben, den Besuch abzuweisen, — doch es ging nicht! Das würde ihr der stolze Fürst, der sich schon als Thronfolger geberdete und in dem die Welt den zukünftigen Kaiser und den siegreichen Feldherrn verehrte, das würde ihr auch Justinian nie verzeihen! Und so entschloß sie sich denn, den lästigen Besucher zu empfangen, aber wahrlich, über all zu viel Freundlichkeit, über einen gar zu herzlichen Empfang von ihrer Seite sollte sich der edle Prinz nicht zu beklagen haben. — Jetzt erschien seine hohe Gestalt im Rahmen der Türe und mit frostigem Lächeln hieß ihn Theodora willkommen. „Darf ich Vergebung hoffen, gnädigste Kaiserin?" sagte der Prinz, indem er die ihm dargereichte Hand leicht mit seinen Lippen berührte, „daß ich es wage, zu solch ungewohnter Zeit Dich um eine Audienz zu ersuchen?" „Meine Vergebung sei dem edlen Germanos gewiß!" entgegnete mit ftostigem Lächeln die Kaiserin. „Allein höchst Wichtiges muß es sein, daß Dich zu ungewohnter Zeit zu mir führt." „Du weißt, o Theodora, daß der Kaiser schon lange meine Anwesenheit beim Heere wünscht, ich habe gezögert, weil es mir dünkte, Byzanz's Schlachtenglück wäre in Belisars erprobten Händen gut bewahrt, nun aber wünscht, wie Du gleichfalls weißt, auch der Feldherr meine Nähe und so eile ich denn, mich mit ihm zu vereinen. Ehe ich mich jedoch entferne, wollte ich mich von Dir verabschieden. ... ich sehe die Frage auf Deinen Lippen: weshalb dies noch heute geschehen mußte. . . . Nun vergibst Du mir meine Kühnheit sicherlich, wenn ich Dir gestehe, daß ich Deinen süßen Morgenschlummer nicht stören und," es kam gezwungen von seinen Lippen, „nicht die Schuld daran tragen will, wenn diese