Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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225 genommen — nun aber war es geschehen, sie hatte den erneuten Beweis seiner grenzenlosen Hingebung und sie wollte diese auch belohnen. Weshalb zögerte er doch heute mit seiner Ankunft? O, hätte er geahnt, wie sie sich gerade heute nach ihm sehnte, wie sie gerade heute nach der Szene von gestern heiß nach ihm begehrte, er würde kaum gezögert haben und wäre mit stürmischem Verlangen herbeigeeilt ... Doch da nahten Schritte ihrem Gemache. Ueber das Antlitz der Kaiserin ergoß sich freudige Röte und ihre Lippen umspielte ein bezauberndes Lächeln. Ein leises zaghaftes Klopfen ließ sich vernehmen. Befremdet blickte die Kaiserin auf. Was bedeutet das? Wer wagt es, jetzt zu einer Stunde Einlaß zu begehren, wo sie den Befehl gegeben, daß sie ungestört sein wolle? Sollte es der Geliebte sein und er, der sonst rasch und unangemeldet ihre Gemächer betreten durste, heute diese Art der Anmeldung gewählt haben? Und mit lachendem Munde rief sie seinen Namen. Allein das Klopfen wiederholte sich, diesmal noch ängstlicher. Was sollte dies bedeuten? Eine Zorneswelle färbte die Wangen der Kaiserin, als jetzt auf ihren Befehl sich die kleine, reich vergoldete Türe öffnete und bebend vor dem Zornesausbruch der Herrscherin eine ihrer Hofdamen eintrat, die heute Dienst hatte und zu deren Obliegenheiten es gehörte, Besucher bei der allerhöchsten Frau zu melden. Ehe die Kaiserin sie dazu aufforderte, durfte sie jedoch nicht reden und so verharrte sie in bebender Angst an der Schwelle, während es im Angesichte Theodoras gewitterschwül zuckte. „Was wagst Du!" herrschte sie die Kaiserin an. „Vergib Deiner Sklavin, allergnädigste Kaiserin," kam es jetzt zaghaft von den Lippen der Eingetretenen, „allein der hohe Patrizier Germanos, der erhabene Neffe des allergnädigsten Kaisers, bittet Dich um die Gnade, ihn zu empfangen. . . ." „Und weiß keine andere Zeit?" unterbrach sie unwirsch die Kaiserin. 15