Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 36)
- Language
- German
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224 Dann suchte er sein Lager auf und bald umfing ihn ruhiger traumloser Schlaf. VII. Duftende, schleierartige Gewebe umhüllten den schlanken Leib der Kaiserin, ihr dunkles, seidenweiches Haar fiel in gelösten Strähnen über die Schulter, ihre kleinen zierlichen Füße steckten in roten, gold- und juwelenbesetzten Schuhen. Zahllose Perlenreihen schlangen sich um den Hals und schmückten mit mildem Glanze das glänzend blauschwarze Haar) die Arme, die das an den Schultern geschlossene Gewand frei ließ, umschlossen zahlreiche Spangen, die in leuchtender Juwelenpracht erglänzten. Theodora war allein; in seliger Träumerei hatte sie die Augen halb geschlossen und gab sich vollständig dem Gefühle glücklicher Erwartung hin. Sie mußte lachen, wenn sie des gestrigen Abends gedachte, an dem ihr teuerer Photius ihr sein Herz ausgeschüttet — wie er sie lieben mußte, der arme Jüngling und wie schwer ihn die Entdeckung getroffen haben mußte, daß nicht er allein sich ihrer Gunst erfreue. Welch ein Narr er doch war mit seinen lächerlichen Ideen von Treue und Unschuld! Und wie es in seinen Mienen gezuckt hatte von verhaltenem Schmerz, als sie ihre Untreue so lachend zugestand. — War es möglich, daß hier in Byzanz ein Jüngling lebte, dessen Herz rein war und dessen keusches Empfinden nur Raum hatte für die Erwählte seines Herzens? Und rein blieb trotz des Beispiels, das die Vornehmen, die Stadt, ja der Hof selbst mit seinen lockeren Sitten ihm gab, rein blieb, trotzdem die Versuchung in den lockendsten Farben an ihn heräntrat, rein blieb als der Sohn einer Antonina? War es möglich? Welch rührenden Anblick bot doch gestern sein fassungsloser Schmerz! Fast beklagte sie es heute, Photius gegenüber die Maske fallen gelassen zu haben. Wer hätte es wagen dürfen, ihr etwas vorzuwerfen, sobald sie selbst es nicht für gut fand, das Geschehene einzugestehen? O! hätte sie geahnt, daß es dem armen Verliebten so nahe gehen würde, sie hätte sicher zum Leugnen ihre Zuflucht