Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 32)
- Language
- German
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220 Pforte stehen geblieben, die durch den von zahllosen Flammen erleuchteten Garten in das Innere des Palastes führte. Doch ein Blick in die strahlend erleuchteten Säle, in die von Gästen erfüllten, weit geöffneten Hallen hemmte seinen Schritt. Nein! Dahin gehörte er nicht, diese Menschen, die da im Hause seines Vaters, der ferne in heißer Schlacht mit dem Feinde rang, mit zuchtlosen Reden, mit schamlosen Orgien sich vergnügten, sie waren ihm fremd geworden, mochte der Gedanke, daß das Haus seines fernen Vaters aus solche Weise entehrt werde, auch schmerzlich sein — er durfte die Schwelle seines Elternhauses fortan nicht mehr betreten! Ruhigen Herzens wollte er Abschied nehmen von der Stätte, wo er als Kind geweilt und kein Gedanke an dieses Heim sollte fortan seine Seele trüben. Kein Gedanke? — Sein Fuß stockte und sein Herz krumpfte sich zusammen in unsäglichem Schmerze, wenn er seines holden Schwesterchens gedachte, jener kindlich reinen Jungflau, die da heranblühte, einer keuchen Blume gleich, die sich in einen Sumpf verirrte. Und er wollte sie allein lassen in dieser Umgebung — konnte es geschehen lassen, daß ihre Kindesseele vergiftet werde von dem Schlamme des Sumpfes,. in dem sie erblühte, hatte in selbstsüchtiger Weise nur an 'sein Heil gedacht und an das arme Mädchen vergessen! — Tiefes Weh erfaßte seine Seele bei dem Gedanken an die teuere Schwester und eine Träne des Mitleids netzte seine Wange. „Arme beklagenswerte Joannina, die. du nach außen hin in beneidenswerter Pracht lebst, und dennoch verdammt bist, in diesem Pfuhl von Lastern und Gemeinheit dein junges Leben zu verbringen! Gott schütze dich und deine reine Seele!" Noch einmal glitt sein Auge mit schmerzlichem Ausdruck nach dem Vaterhause zurück, dann schritt er rasch weiter, seiner in dem Hormidasviertel gelegenen Wohnung zu. Mit einem kurzen Winke hatte er die Sklaven verabschiedet, die seiner harrten, um ihn in seine Gemächer zu begleiten und beim Auskleiden behilflich zu sein, dann warf er sich halb angekleidet auf sein Lager hin.