Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 31)
- Language
- German
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219 mit verschwenderischem Luxus ausgestatteten Palastes, dazwischen hindurch ■ vernahm er lautes, freches Gelächter und tolles übermütiges Treiben. Ein Schauer durchrieselte seinen Leib und der Gedanke, daß hier oben seine Mutter sei, die er als Kind verehrt und geliebt hatte-das war nun freilich schon lange her, er hatte so manches gesehen, das geeignet war, das Bild der Mutter gewaltig zu verdunkeln. Doch wie hatte er sich dagegen gewehrt, hatte er sich aufgelehnt in starrem Trotze, um nur ja nicht den Glauben an die Mutter zu verlieren. Nun aber, wie er immer mehr gewahr wurde, welch frevles Spiel die lasterhafte Frau getrieben, wie sie vor nichts, vor keiner Schandtat zurückschreckte, wenn es blos galt, ihre Lüste zu bestiedigen, wie er es schaudernd immer mehr erkennen mußte und sein Auge nicht mehr davor verschließen konnte, daß die Mutter, die Gattin des großen Belisar, einer verworfenen Dirne glich: da hatte Entsetzen ihn gepackt und dennoch hatte er geschwiegen, hatte für das lasterhafte Leben der Mutter stets Entschuldigungen gefunden. Weil er verblendet war durch die Liebe, weil er für nichts Sinn und Herz hatte als für die Kaiserin, und den Abgrund nicht erkannte, dem er mit geschlossenen Augen unaufhaltsam entgegeneilte. Nun aber, seit es so gräßlich tagte in seinem Inneren, nun hielt es ihn nicht länger, nun wurde es ihm klar, und schaudernd sah er die Tiefe, in die er gesunken wäre, hätte ihn nicht ein gnädiges Geschick noch rechtzeitig gewarnt. War er denn besser gewesen, wie jene? Hatte er nicht gelacht und gejubelt und sein Leben vergeudet im tollen .Liebesrausch, während rings um ihn her in Byzanz die ärgsten Greueltaten verübt wurden, hatte zu den Füßen der lasterhaften Theodora geruht, trotzdem er gewußt hatte, daß ihr Machtgebot tausende von unschuldigen Menschen grausam morden ließ? Dank sei seinem Gotte! Der ihn noch rechtzeitig aus dem Schlamme gerettet und zu sich emporgehoben hatte, ehe er ganz verloren war! Einen Augenblick war er zaudernd an der Eingangs-