Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 27)
- Language
- German
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215 Kaiserin, nun, da sie es so frech zugab, verschwand vor seinen Augen auch das Bild der über alles geliebten Frau, deren Zauberkünste ihn jetzt für allzulange Zeit im Banne gehalten und nun sah er sie wieder als das, was sie gewesen, ehe die Verblendung eines Justinian sie aus dem Schmutze der Gasse, auf den Kaiserthron erhoben. „Nun, mein süßer Photius," nahm jetzt die Kaiserin wieder das Wort, „jetzt laß uns wieder die Torheiten vergessen, die Dich so erregten und nur dem Augenblicke leben." Eine heiße Blutwelle färbte mit jähem Rot die Wangen des Jünglings und indem er mit sanfter Gewalt die ihn umschlingenden Arme Theodoras von seinem Nacken löste, erhob er sich aus der ruhenden Lage, die er bisher zu den Füßen der Kaiserin eingenommen hatte. „Du hast recht," meinte gnädig lächelnd Theodora, seine Bewegung mißverstehend, „zu lange schon habe ich Dich hier ruhen lassen, komme nun an meine Seite." Und mit lächelndem Munde blickte sie in seine jugendlich verwirrten Züge. Es war mittlerweile Abend geworden, die Schatten der Nacht senkten sich hernieder und hüllten den Garten mit seinen dichten Laubgängen in nächtiges Dunkel, aus dem die zahllosen Statuen, mit denen der Palastgarten geschmückt war, in blendendem Glanze hervorleuchteten. So konnte denn auch die Kaiserin die Zornesglut nicht gewahren, mit der sich das Antlitz des jungen Edelmannes blutrot gefärbt hatte, auch den Ausdruck tiefen Abscheus, der sich in seinen Mienen ausprägte, konnte sie zu seinem Glücke nicht sehen. Erst beim Anblick der angezündeten Flammen erhob sich die Kaiserin, und indem sie eine silberne Schelle hellauf klingen ließ, damit ihre Damen sie in den Palast geleiteten, wandte sie sich zum Gehen. „Schlaf Deine. Grillen aus, mein holder Photius," sagte sie lächelnd, „und morgen hoffe ich Dich wieder bei mir zu sehen." Dann war sie aus dem blumengeschmückten Zelte in den Garten geschritten. Er aber eilte hinweg, hinaus, ins Freie.