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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 212

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 212 (sequence 24)
Language
German
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— 212 Du heute nicht gekommen wärest, einen Boten nach Dir gesandt hätte?" „Und doch," sagte sinnend Photius, „ist kaum dreimal die Sonne zur Neige gegangen, seit ich das Glück hatte, von Dir empfangen zu werden ..." „Viel zu lange fiir ein liebendes Verlangen," unterbrach ihn die Kaiserin. „Oder schiens dir nicht so?" fuhr sie fort, während ein forschender Blick das Antlitz des vor ihr Knieenden traf, „es verlangte Dich nicht nach meinem Anblick?" „Meine schöne Herrin weiß es ja, daß ihr Anblick die Sonne meines Lebens ist und daß ferne von ihr mein Leben nichts bedeutet!" rief mit leidenschaftlichem Erglühen der Jüngling. „Was hielt Dich trotzdem ab, in den Palast zu kommen?" „Ich kam nicht, weil ich Dich, allergnädigste Kaiserin, so sehr von den Regierungsgeschästen in Anspruch genommen wähnte, daß für Deinen Sklaven keine Zeit mehr übrig blieb." „Das lügst Du, mein schöner Photius," warf mit leisem Hohne die Kaiserin dazwischen. „Du erinnerst Dich wohl, daß ich Dir an jenem Tage, wo ich Dir meine Gunst schenkte, die Erlaubnis gab, zu jeder Stunde vor meinem Angesichte zu erscheinen! Was hielt Dich dennoch ab, gestern und ehegestern bei mir zu sein!" Und ihr großes dunkles Auge bohrte sich prüfend in seine Züge. „Erlaß mir die Antwort, gnädigste Herrin!" sagte mit leise flehendem Tone Photius und sein Auge suchte den auf ihm ruhenden Blick der Kaiserin zu vermeiden. „Bedarf es meines kaiserlichen Befehles?" kam es jetzt schneidend aus Theodoras Munde, „um die Wahrheit zu vernehmen? Nun denn, so befehle ich Dir als Deine Gebieterin, mir den wahren Grund zu nennen." „Vergib, o Herrin, wenn ich auch dann nicht rede ..." „Wie, Du weigerst Dich?" rief zornflammend die Kaiserin, „weißt Du auch, was es heißt, meinem Befehle zu trotzen?" „Fern sei es. von mir, deinem Befehle nicht folge zu leisten," sagte leisen Tones der Jüngling. „Ich bin Dein Sklave, nicht der Sklave der allmächtigen Kaiserin," setzte er hinzu und ein heller Strahl leuchtete auf in seinen Augensternen, „nein der Sklave Deiner göttlichen Schönheit."

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