Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3111067-3111080-3112433--1945-3112655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
211 aus dem von Rosensträuchen umsäumten Gehölz, gefolgt von mehreren Damen, die Kaiserin herankommen. Irene war mit Sabina hinweggeeilt, ehe sie von der allerhöchsten Frau bemerkt wurden und der junge Mann erwartete das Nahen der Kaiserin. Jetzt war sie ganz nahe und indem er sich tief zur Erde neigte, drückte er seine Lippen auf die ihm gnädig dargereichte Hand Theodoras. Mit einer leichten, fast unmerklichen Bewegung hatte sie das Gefolge verabschiedet und schritt jetzt an der Seite des jungen Mannes in die kühlen, schattigen Laubgänge des Parkes hinein. V. In einem mit Jasmin und Rosensträuchern überdeckten Zelte machte Theodora Halt, während der junge Edelmann sich auf den Rasen zu ihren Füßen hinlagerte. Hier, in diesem traulichen, von berauschender Farbenpracht erglühenden, von würzigem Blumenduste erfüllten, vom Licht der Sonne vergoldeten Zelte pflegte Theodora des Oefteren eine Stunde zu verbringen. Hier war sie frei von jedem lästigen Zwange, warf sie für Augenblicke selbst die kaiserliche Würde ab, mit der sie sich sonst nach außen hin sorgfältigst umgab — und es galt als ein Zeichen besonderer Gunst für denjenigen, den sie in der blumengeschmückten Laube empfing. Da wurde sie oft wieder zum jungen Mädchen, zur übermütigen, liebenswürdigen Theodora. Gleiche Freiheit der Bewegung und Befreiung von der sie umgebenden Hofetikette hatte die Kaiserin dann nur wahrend der heißen Jahreszeit, die sie in ihrem Palaste am Meere zubrachte. Und ganz wie ein mutwilliges, junges Mädchen lachte und scherzte sie, jetzt mit dem jungen Photius, der mit schwermütigem Ausdrucke zu ihr emporsah, nahm seinen von dunkler Lockenfülle umrahmten Kopf in ihre beiden fände und bedeckte seinen Mund mit leidenschaftlichen üssen ... „Weißt Du, mein Liebling," flüsterte sie ihm ins Ohr, „daß ich Dich bereits recht sehr vermißte und daß ich, wenn 14*