Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 22)
- Language
- German
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210 „Zu den Juden? Irene, armes Kind, preise Deinen Heiland, der Dich den Klauen der Hölle entrissen, der Dich wieder unter rechtgläubige Christen brachte . . . Doch da hatte sich Irene in den Rasen geworfen und seine Knie umklammernd kam es stoßweise aus ihrer Kehle: „Ich kann nicht hierbleiben, wenn Du ein fühlend Herz hast — und ich weiß, Du bist gut und wirst Dich meiner annehmen — leihst Du mir Deine Hilfe, auf daß ich entweiche . . . . zn meinen Eltern, .... heimkehre .... zu meinen Eltern . . . ." „Nimmermehr!" gab er kurz abweisend zurück. „Niemals wird Photius seinen Arm einer ungerechten Sache leihen . . . ." „Ja, ungerecht!" rief aufspringend Irene. „Ungerecht werde ich hier im Palaste zurückgehalten . . . ." „Wie eine Königstochter geschmückt," und sein Blick glitt bewundernd an der jugendfrischen Gestalt nieder, die in den kostbaren Gewändern fast einer hold erblühenden Jungfrau glich, „wie ein Fürstenkind behütet . . . ." „Was gilt mir der Tand? Ich mag ihn nicht, ich verabscheue all die schönen Kleider und all die geputzten! Menschen hier am Hofe .... o, wenn Du sie kenntest, Herr, Dich litte es auch nicht in ihrer Mitte." Photius mußte laut auflachen bei diesem Aufrufe einer kindlichen Seele. Ob er sie kannte, die ganze eitle, hoffärtige, frömmelnde, kriecherische Gesellschaft! Doch das Kind — wie kam dieses kaum erblühte Mädchen zur Erkenntnis .... „Und wenn Du sie kennen würdest, o Photius, sie, meine Pflegeeltem daheim, o, dann sagtest Du wohl selbst: Du hast Recht, Irene, komm, ich geleite Dich zu ihnen, die in bangender Ungewißheit ihre Tage verleben." „Ich sandte einen Boten in das Haus des Juden und sie kennen Deinen Aufenthalt." „Hab' Dank, edler Photius," rief Irene freudig aus, „und schenke mir auch ferner Deine Gnade, hilf . . . ." Doch da kam eiligen Schrittes Sabina herbei. „Irene, hörst Du nicht? Die allergnädigste Kaiserin naht!" Erschrocken fuhr Irene empor. Wirklich sah man jetzt