Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 21)
- Language
- German
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209 das Auge verwirrt zu Boden senkte und stockend inne hielt, trat er zu ihr hin und begrüßte sie mit einigen freundlichen Worten. „Willst Du mir auch erklären. Kleine, weshalb Du mein Nahen so freudig begrüßtest?" „Vergib meiner Einfalt, edler Herr," sagte den Blick zu seiner hohen Gestalt erhebend das junge Mädchen. „Ich erkannte in Dir den Edelmann wieder, der auch an jenem Unglücksabende im Zirkus anwesend war . . . ." „Und der Gedanke an jenen Abend machte Dich so vergnügt," rief lachend der junge Photius, „ich hätte viel eher geglaubt, die Erinnerung an die Todesgefahr erwecke einen Schauder in Deinem Herzen." „Ja, ich bebe vor Angst, wenn ich an die feurigen Augen des wilden Tieres denke und den aufgerissenen Rachen vor mir sehe, der mir so nahe war!" und ein Zittern ging durch ihre jugendliche Gestalt, „allein dann sehe ich auch gleich daraus die lichtumflossene Gestalt der großen Kaiserin und dann," sie senkte verwirrt den Blick, „dann erscheint Dein Bild, o Herr, meinem Auge . . . ." „Nun wird niir Dein freudiger Ausruf bei meiner Ankunft klar," unterbrach sie Photius. „Nicht das allein ist's, edler Herr, das mich Dein Kommen so freudig begrüßen hieß, — nein, ich habe auch eine Bitte an Dich . . . ." „Vollende!" gebot kurz der' junge Edelmann und seine Blicke durchmaßen zerstreut -die Laubgänge des Parkes, „wonnt kann ich Dir nützen?" „O Herr!" kam es zagend aus dem Munde Irenens, „hilf mir, daß ich aus dem Palast entkomme." „Bist Du von Sinnen?" fuhr zornflammend Photius auf, „daß Du Deiner allergnädigsten Wohltäterin entweichen willst, ihr, die ihr geheiligtes Leben wagte, Dich dem Rachen des Bären zu entreißen? Was ficht Dich an?" Ein heißes Schluchzen antwortete seinem zornigen Ausrufe. „Was ist dem Kinde?" Photius senkte seinen forschenden Blick auf die in Tränen gebadeten Züge Irenens. „Ich möchte fort von hier," kam es jetzt leise und zaghaft aus ihrem Munde, „heim zu nieinen Eltern . . . ." 14