Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 20)
- Language
- German
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208 heute mußte es ihr gelingen, aus dem Palaste zu entweichen — denn auf eine andere Weise, wußte sie, war es ein Ding der Unmöglichkeit, den Ihren Nachricht zu senden, da es die allerhöchste Frau strenge untersagt hatte. Unruhig irrten ihre Blicke durch die schattigen Gänge des Parkes — wo den Ausgang finden? Wird es ihr gelingen, .sich in diesem Gewirre von Gängen und Gebüschen zurechtzufinden? Und selbst dann, wird sie sich unbemerkt an den Palastwachen vorüberschleichen können? Wird sie nicht die Aufmerksamkeit derselben erregen, wenn sie in den reichen kostbaren Gewändern, die sie auf Befehl der Kaiserin hatte anlegen müssen, allein und ohne die für Mädchen ihresgleichen gewohnte Begleitung die Straße betrat? Gelänge es ihr doch nur ihre alten Kleider wieder zu bekommen, dann wollte sie schon unbemerkt von den Wachen zwischen all den zahllosen Menschen, die im kaiserlichen Palaste aus- und eingingen, hindurchschlüpfen, rasch, wie der Blitz die Straßen durch- und heimeilen zu den lieben armen Eltern! Wie würden sie aufjauchzen und sie in die Arme schließen und Gott danken, der sie wieder mit einander vereinte-doch da nahten Schritte ihrem Platze, da kam Sabina sicherlich und aus war's für heute mit ihren Träumen und Hoffnungen. Entmutigt senkte sie den Blick zur Erde hin und verharrte eine Weile in stummem Trotze, sich gegen die lästige Gesellschafterin auflehnend. Doch da ließ sich ein Geräusch in ihrer Nähe vernehmen. Aus den schattigen Laubengängen hervor trat die Gestalt eines festlich gekleideten jungen Mannes. Jetzt hatte er sich ihr genähert. Freudig zuckte es im Antlitze des jungen Mädchens auf, als sie den Blick erhob und statt der verhaßten Sabina die Gestalt des jungen vornehmen Edelmannes erkannte, der sich ihrer schon an jenem Abende im Zirkus angenommen hatte. Ein Gedanke durchzuckte plötzlich ihr Gehirn. „Dich sendet Gott!" rief sie in kindlicher Unbefangenheit dem Nahenden entgegen. Lächelnd empfing der Jüngling diesen Willkommensgrnß, und als Irene dann beschämt von ihrer freudigen Aufwallung