Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 207 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111080-3112433--1941-3112651
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

207 hatte das Gottvertrauen der kleinen Familie getrübt, ruhig lebten sie dahin und kein sich gegen das Geschick auflehnender Gedanke kreuzte ihr Gehirn. Und nun war diese Ruhe plötzlich gestört worden - durch sie gestört worden, durch ihre plötzlich erwachte unerklärliche Neugier, einer Zirkusvorstellung beizuwohnen. Ja, sie, die jetzt vier Jahre hindurch das Brot dieser Menschen gegessen, sie, deren sie sich in der schrecklichsten Stunde ihres Lebens hilfreich angenommen hatten, sie hatte jetzt Pein und Sorge in das stille Heim gebracht. Sie wußte es wohl, wie sehr sie daheim bangten und in welch trostloser Ungewißheit sie verharren mußten und doch konnte sie nichts dagegen tun.- Tag und Nacht sann sie über einen Ausweg nach, marterte ihr kindliches Denken, um Mittel zu finden, den Pflegeeltern daheim, die in tatenloser Angst vergehen mußten, Nachrichten zukommen zu lassen, daß sie geborgen sei — allein alles Denken war vergebens., Sabina, jene Kammerfrau, in deren Obhut sie von der Kaiserin gegeben wurde, hatte von der hohen Frau den Befehl erhalten, das Mädchen auch nicht einen Augenblick unbewacht zu lassen und insbesondere streng darauf zu achten, daß sie den kaiserlichen Palast nicht verlasse. Doch in den Gärten, die den Palast umgaben, durste sie sich frei ergehen, da fand sie auch mehrere Altersgenossinnen und mit allerlei kindlichen Spielen ging hier die Zeit dahin. Gerade jetzt hatten sich die Mädchen von Irene verabschiedet und schritten lachend und scherzend an der Seite ihrer Begleiterinnen dem Ausgange des Palastes entgegen. Irene war allein geblieben und müde von dem erzwungenen tollen Jagen und Hasten des Spieles sank sie auf den Rasen hin. Nun war sie einen Augenblick allein, auch Sabine hatte sich in das Innere des Palastes begeben, nun wollte sie aber alle ihre Gedanken anspannen, um zu einem Entschlüsse zu,gelangen. Heute mußte es sein: sie durste nicht länger zaudern, zu lange schon hatte sie die Teueren daheim in banger Sorge um ihr Geschick sich abhärmen lassen. Ja,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.