Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 16)
- Language
- German
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204 „Und dennoch hat kein einziger von allen denen, die Dir im Zirkus zugejubelt, einen solch mächtigen Eindruck empfangen, als mein .... mein," sie stockte und zuerst auf den fragenden Blick Theodoras hin, fuhr sie fort: „nun eben mein Erzähler. Ich sprach ihn gestern in den Bädern und heute bereits auf meinem Morgenspaziergang und stets weiß sein Mund nur das Lob Deiner edlen Tat zu rühmen." „Ich wette," unterbrach sie lächelnd die Kaiserin, „Du hast die Nachricht und die genaue Schilderung von irgend einem alten Gelehrten, dessen Hirn voller Ideale meine Tat als etwas Göttliches erscheint, das erdemgemüß bewundern muß." „Wohl, er bewundert Deinen Heldenmut und er bewundert auch die Heldin — allein es ist kein 'trockener Gelehrter, sondern ein junger, geistsprühender Edelmann!" „Photius!" unterbrach sie die Kaiserin und ein Hauch zarter Röte stieg in ihrem Antlitze auf und bedeckte ihre Wangen mit rosiger Glut. Forschend ruhte das Auge Antoninas auf den Zügen ihrer kaiserlichen Freundin. „Dn sagst's, Photius, jener junge Edelmann, den trotz seiner Jugend bereits ein großer Ruf von weitreichender Gelehrsamkeit und kühnem ritterlichen Mute auszeichnet; und der überglücklich wäre, würdest Du ihm gestatten, in Deine Nähe zu gelangen, um Dir seine Bewunderung selbst auszudrücken." „Wie, Du glaubst, er sehne sich danach? Und doch glaube ich, gehört zu haben, daß der junge Mann das Hofleben fliehe!" „Ja, ehe er Dich gesehen und Deine Heldentat! Nun ist er ein anderer geworden und seine Anschauungen über unser Leben mögen sich gewaltig geändert haben." „Welch eifrige Fürsprecherin, Antonina, Du plötzlich Deinem Sohne geworden bist und doch geht das Gerücht, Du zürntest ihm." „Du sagst es," lautete die Antwort, „solange er sich in verbissenem Grolle von uns fernhielt und in lächerlicher Verblendung sich in Bücher vergrub, statt das Leben zu durchjubeln, wie es einem Edelmanne geziemt . . . ." „Und dem Sohne Antoninas," fiel scherzend die Kaiserin ein. „Nun denn, meine Teure, Du sollst nicht