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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 203

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 203 (sequence 15)
Language
German
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203 „Nein, nein, es ist zu arg mit Deinen Späßen!" rief laut auflachend die Kaiserin. „Ich möchte aber jetzt gar nicht lachen, sondern ruhen. Und dann fürchte ich — reiche mir doch den Spiegel, Antonina — dann fürchte ich, Laß sich durch zu viel Lachen da um den Mund, sieh doch genau her, Antonina, nicht am Ende gar kleine Fältchen bilden." . „O geliebte Fürstin, bis dahin hats wohl noch lange Zeit, Dein Antlitz strahlt in herrlichster Frische, und selbst der größte Neid könnte an Deiner göttlichen Gestalt kein Fehl entdecken." „So scheint es Dir, meine Teuere", unterbrach sie die Kaiserin, ohne jedoch den goldenen Spiegel aus der Hand zu geben, in dem sie sich forschend betrachtete. „So scheint es allen, geliebte Herrscherin! Zu Dir dringt eben die Kunde nicht, wie die ganze Welt in Dir die Vollkommenste auf Erden sieht, in Deiner göttlichen Nähe verstummt selbst die kühnste Bewunderung; allein hörtest Du, was der ganze Hof, die ganze Welt spricht . . . ." „Nun, was würde ich da vernehmen?" „O, da würdest Du nur das reichste Lob und ungeteilteste Bewunderung hören, Theodora, und nun gar erst seit dem Kampfspiel." „Wie, noch immer spricht man von jenem Zirkusabend? Ich dächte, es gäbe der Ereignisse genug, die wichtiger wären für Byzanz als jenes Erlebnis." „Nichts ist für die Byzantiner wichtiger als ihre Kaiserin!" rief Antonina. „Und nun gar diese edle Tat! sah man bis jetzt in Dir die angebetete Herrin, so verehren sie Dich seit jenem Tage, an dem Du Dein geheiligtes Leben wagtest um eines Kindes willen, gleich einer Göttin! Und wahrlich, einer Göttin der Schönheit und der Tapferkeit glichst Du, als Du in alles überstrahlender Herrlichkeit/ die Wangen in rosige Glut getaucht, leuchtenden Auges in die Arena eiltest . . . ." „Du schilderst, Antonina, diesen Abend und dennoch warst Du nicht im Zirkus. Wer hat Dich so genau berichtet?" „O Herrin, ein Augenzeuge Deiner Tat . . . ." „Deren es wohl zahllose gab!" gab lachend die Kaiserin zurück.

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