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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 200

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 200 (sequence 12)
Language
German
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200 Justinian einen Befehl erteilte, diese oder jene Maßregel traf, Veränderungen in der Verwaltung des Reiches oder des Heeres anordnete, so geschah auch dieses erst, wenn die Kaiserin gleichfalls seine Ansicht teilte. Aus diesem Grunde drängten sich denn alle jene, die von der Gnade des Hofes etwas zu erreichen suchten, in dem Vorgemache der Kaiserin. Kopf an Kopf gedrängt harrten sie nun schon stundenlange des Augenblickes, an dem es ihnen gestattet sein sollte, vor dem Angesicht der Herrscherin zu erscheinen, zu ihren Füßen ihr Bittgesuch vorzubringen, oder auch blos, wie die vornehmen Besucher, ihre pflichtschuldige Aufwartung zu machen. Und wahrlich, bunt zusammengewürfelt genug war diese harrende Menge, Neben Senatoren und Gelehrten, neben vornehmen Stutzern und reich geschmückten, geschminkten Frauen, standen scheu an die Wand gedrückt, das starre Auge in hoffnungsloser Angst zu Boden gerichtet, jene, die gekommen waren, Gnade zu erflehen für ein Vergehen, das sie begangen, oder dessen sie auch nur fälschlich angeklagt waren. Denn Spionage und Angeberei waren im kaiserlichen Byzanz zu Hause und gar leicht gelang es jedem einzelnen, sich eines unbequemen Feindes durch Angeberei zu entledigen; er war gewiß, bei Hofe stets ein willig Ohr dafür zu finden. Stunde auf Stunde verging und noch immer wollte sich die Türe nicht öffnen; noch immer sollte den Harrenden keine Erlösung werden aus der ertötenden Langweile des Wartens. Hie und da vernahm man leises Flüstern, allein auch dieses verstummte jetzt, als sich plötzlich die Vorhänge teilten, die die Vorhalle mit dem Gemache verbanden, in dem die Menge der Audienzwerber sich aushielt. Ein Seufzer der Erleichterung ging durch die Menge bei dem Geräusch der von außen her nahenden Schritte. Nun würde wohl die Qual der Erwartung ein Ende nehmen, der nächste Augenblick mußte über ihr Los entscheiden. Allein, sie hatten sich getäuscht.

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