Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 11)
- Language
- German
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199 — verbannt, vertrieben von der Stätte unseres Glanzes müssen wir unser Leben jammervoll dahinschleppen, bis an den Tag, an dem es dem Herrn gefallen wird, uns zu befreien und Israel wieder einziehen wird in die goldene Stadt, in das gelobte Land ..." Da wurde mit jähem Rucke die Türe geöffnet und an der Schwelle erschien eine in einen dunkeln Mantel gehüllte Gestalt. Zu Tode erschreckt waren die beiden Frauen bei dem Anblicke des Fremden zusammengezuckt und in angstvoll bebender Ungewißheit, was dieser späte und ungewohnte Besuch zu sagen hätte, richteten sich ihre fragenden Blicke auf sein Antlitz. „Habt keine Angst," sagte der Eingetretene, „ich bringe Euch Kunde von dem kleinen Mädchen . . . ." „Wo ist sie, wo ist Irene? Und wer bist Du?" entrang es sich angstvoll den Lippen der Beiden. „Mich sendet Photius, mein Gebieter. Das Kind hat im Gewühl seine Begleiterin verloren — Ihr tatet Unrecht, sie befand sich in Gefahr . . . ." „Großer Gott, was ist mit dem Kinde?" „Ein großes Glück ist ihm widerfahren," schloß der Bote, indem er sich zum Gehen wandte. „Theodora, unsere erhabene Kaiserin, hat sich seiner erbarmt und es an den Hof, unter ihre Obhut genommen." „Wehe, wehe! über uns und das Kind!" Und laut schluchzend barg sie ihr Antlitz in den Händen. HI. In dem Gemache, das zu den Räumen führte, die Kaiserin Theodora bewohnte, staute sich die Menge der Wartenden. Vor dem Palaste hielt, bewacht von einem zahlreichen Sklaventroß, eine große Menge reich geschmückter Sänften, in denen die vornehmen Gäste-angekommen waren, um eine Audienz bei der allmächtigen Herrscherin zu erlangen — wußten sie es ja alle, daß Theodoras Wille der ausschlaggebende und ihr Gebot das bestimmende war in der Stadt, sowie in dem ganzen Reiche. Selbst dann, wenn der geist- und Willensschwäche