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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 198 (sequence 10)
Language
German
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198 — gesetzten Tage — vierundachtzigmal sah ich das hohe Fest wiederkehren, jedoch niemals sah ich es in solcher Bedrückung." „Hörtest Du nichts," unterbrach die Tochter ausfahrend die leise gemurmelten Worte der Greisin, „mir wars, als ob sich Schritte unserem Hause näherten .... Nein, mein Gehör hat mich genarrt — o, Mutter, Mutter, denkst Du denn gar nicht an Irenens Heimkehr?". „Nun, sie wird wohl den Heimweg finden, sie kennt ja die Straßen und Plätze alle von den Geschäftsgängen, die sie mit Dir macht." „Aber es dunkelt und die Straßen sind unsicher, es treibt sich viel gemeines Volk umher." „Sie ist eine Christin," warf achselzuckend die Greisin ein, „und einer Christin wird kein Unbill zustoßen." „'S ist ein Kind, Mutter, und weiß Gott, ein gutes Kind, ihr Herz ist rein und lauter und unserem Glauben neigt sie mehr zu in ihrem kindlich reinen Sinne, als dem irregeleiteten unserer Unterdrücker. Weshalb ließ ich sie gehen und wehrte nicht ihrem kindischen Verlangen, mir ahnt Böses!" „Versündige Dich nicht, Judith!" rief die Greisin „und beschwöre nicht ein Unheil herauf durch Deine Reden." „Wahrlich, Mutter, es mag wohl Unrecht sein, daß ich an dem fremden Kinde so hänge, allein mir ward kein eigen Kind beschieden und darum liebe ich Irenen, als wäre sie mein eigen — daß sie anderen Glaubens ist, das ist nicht ihre Schuld, Du weißt, daß sie im Herzen mehr Jüdin ist, und, weiß Gott, was noch die Zukunft bringt . . . Ach, ich rede und denke an die Zukunft und doch bangt mir vor der nächsten Stunde .... Hier in Byzanz, in dieser gott- und zuchtlosen Stadt, in der nichts heilig ist, kein Glaube und kein Gesetz! Leben wir Armen nicht in steter Angst und Bedrückung und wenn wir heute Abend in der Hagada unserem Gotte danken, daß er uns aus Mizraim geführt, aus dem Lande der Knechtschaft, so seufzen wir ja wieder unter dem harten Joche der Fremdlinge, so sind wir ja noch immer vertrieben aus unserem heiligen Lande und 'dürfen unsere Augen nicht weiden an den Herrlichkeiten Jerusalems

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