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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 196

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 196 (sequence 8)
Language
German
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196 gekleidet und in ihrem sonst so zaghaft scheuem Blicke malte sich stolze Festesfreude. Ihr Weg führte ins Gotteshaus und die ahnungsvolle Nähe ihres Gottes verlieh ihren kummervollen Mienen den Anschein heiterer Ruhe. In ihren Augen malte sich der Abglanz seligen Friedens. Wie hatten sie sich gequält und geplagt, ehe sie zum ersehnten Ziele gelangten! Wie viel der Sorgen und der Mühen hatte es gekostet, ehe sie so weit waren! Nun aber waren alle Vorbereitungen beendet, das ungesäuerte Brot in genügender Menge vorrätig, alles Unreine aus den Wohnungen verbannt und nun wollten sie ihrem Gotte nähen, ihrem Schöpfer danken, daß er sie einstens geführt aus dem Lande der Knechtschaft. „Nun, nun, Chaskiel, weshalb kommst Du nicht mit und bleibst noch vor Deiner Türe stehen?" „Ei, gerade Du, der Du sonst einer der ersten Tempelbesucher bist, Du zauderst heute?" setzte ein Anderer hinzu, indem er fragend in das bekümmerte Antlitz des frommen Mannes sah. Jetzt war auch der Rabbi hinzugekommen und mit unwilliger Miene gewahrte er die Stockung vor dem Häuschen Chaskiels, des Schriftgelehrten. „Geht, meine Brüder," ermahnte er die Säumigen, „und erweckt nicht den Verdacht unserer Feinde durch längeres Verweilen in der Gasse." „Verzeih, ehrwürdiger Rabbi," sagte entschuldigenden Tones einer der Anwesenden, „wohl zieht es uns mit Macht zum Gotteshause hin . . . ." „Und dennoch verweilt ihr hier vor Chaskiels Türe im müßigen Geschwätz!" unterbrach ihn der Rabbi. „Was ist Dir begegnet?" setzte er hinzu, indem er seine fragenden Blicke auf das bekümmerte Antlitz des Mannes richtete. „Ehrwürdiger Rabbi," nahm jener nach einigem Zögern das Wort, „vergib, wenn einer Deinem gottergebenen Geiste geringfügig scheinenden Ursache wegen sich mein Schritt verzögerte, vergib, ich folge Dir!" Allein auch jetzt, als er an der Seite des Rabbis weiterschritt, dem Gotteshause entgegen, blickte er zerstreut vor sich hin und unruhig schweifte sein suchender Blick durch die Gassen.

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