Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- David Honigmanns Aufzeichnungen aus seinen Studienjahren (1841/5)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 55)
- Language
- German
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187 Plan, alle seine Mitarbeiter, mit kurzen biographischen Notizen begleitet, durch Holzschnittporträts in der illustrierten Zeitung zu verewigen, eine Unsterblichkeitsassekuranz die er auch mir zugedacht hatte. Ich kam mir denn doch noch als Schriftsteller viel zu grün vor, um auf dieses Anerbieten einzugehen; meine Beziehungen zu Weber waren überhaupt bald zu Ende, da ich seit jener Zeit auf dem novellistischen und belletristischen Felde keinen weiteren Versuch fertig gebracht habe*). Die zweite Station auf meiner Tour — die noch im Postomnibus bis Frankfurt von Leipzig aus zurückzulegen war — hielt ich in dem herrlichen Eisenach ab, wo mir in Dr. Heß**), dem Redakteur des „Israeliten" ein Gastfreund wohnte. Unmittelbar nach meiner Vorstellung im Hause führte mich die resolute Frau, in Abwesenheit des Herrn Gemahls, um den schönen Herbstabend zu nützen, auf die damals noch nicht restaurierte Wartburg. Ich hatte noch nie eine Gebirgslandschaft gesehen, und war von den Umgebungen Eisenachs, die ich des andern Tags in Gesellschaft meiner Freunde durchschweifte in ganz ungekannter Weise angeregt und entzückt. In Frankfurt a. M., wohin ich viele Empfehlungen hatte, verweilte ich mehrere Tage; ich lernte nicht nur die altehrwürdige Reichshauptstadt mit ihrem Römer, der Zeil und der mehr düster unheimlichen als romantischen Judengasse — wo Börnes und Rothschilds Geburtshäuser standen — sondern auch viele interessante Männer und Frauen kennen. Dr. Goldschmidt, einen schon älteren Mann, hervorragenden Advokaten und Schriftsteller, den Privatdozenten, späteren Professor der Mathematik Dr. Stern aus Göttingen, der zufällig zum Besuche in Frankfurt war, der alte Direktor des Philanthropins M- Heß***), einen Bruder des Eise- *) Später aber erschienen von ihm: 1. „Aus einem frommen Hause" in Liebermann's Jahrbuchs Bd. V, (1857), S. 107—129. — 2. „Das Grab in Sabionetta", Leipzig 1872. (Neu abgedruckt in Brandeis' jüd. Universal-Bibliothek, Nr. 86/87). — 3. „Berel Grenadier", Leipzig 1876. (Neu abgedruckt das., Nr. 16 u. 17). **) Vgl. oben S. 164. ***) Michael Heß starb 26. Februar 1860. Vgl. über ihn den Bericht des Philantropins für das Jahr 3861.